Auszüge aus Briefen der Hl. Elisabeth Fjodorowna Romanowa

17. Juli 2021

Patrozinium

Legen Sie Ihre Hand in die Hand Gottes und gehen Sie, ohne zu schwanken

An die Fürstin Sinaida Jusupowa (im Sommer 1908)

Ich verlasse die Welt nicht, nein, im Gegenteil, ich trete gänzlich in sie ein. Anstelle eines Lebens im Palast, wo es stets höfische Etikette zu beachten gilt, werde ich näher zur Welt hin leben und erreichbarer sein.

Ich werde nicht nur unter jenen wohnen, die körperlich krank sind. Für sie gibt es Ärzte und die Pflege unserer Schwestern. Insbesondere wollen wir jenen Trost bringen, die von Unheil jeglicher Art heimgesucht werden: Armen und Reichen, Kleinen und Großen, Proleten und Prominenten. Und so ist mein Hauptziel, das Leiden der Menschheit zu mildern, ihr das göttliche Licht zu zeigen und, so Gott will, ein Leuchtturm für sie zu werden.

Meine Liebe, du brauchst also derzeit keine Angst zu haben, mich zu verlieren. Meine Freundinnen und Freunde werden mich nicht verlieren, denn weder meine Seele noch meine Tür werde ich verschließen, und vielleicht, indem ich mich bemühe, besser zu werden, mehr für andere zu leben und lerne besser zu beten, kann ich eine echte Stütze für andere werden. Darauf hoffe ich so sehr!

Treffen im Bekanntenkreis

Treffen im Bekanntenkreis

An A. N. Naryschkina (20. Januar 1909)

Sie kennen mich gut genug, um zu verstehen, dass ich meine Arbeit nicht als etwas Außergewöhnliches ansehe. So weiß ich doch, dass im Leben jeder für sich ist, im Engsten, im Niedrigsten, im Herausragendsten … wenn wir dabei unsere Pflicht erfüllen, und in unserer Seele und in unseren Gebeten die eigene Existenz Gott anvertrauen, damit ER uns stärkt, uns unsere Schwachheiten verzeiht und uns wieder auf den Weg der Wahrheit zurückführt.

Mein Leben verläuft so, dass es samt seiner Pracht in der Gesellschaft der Reichen mit ihren damit verbundenen Verpflichtungen durch meine Witwenschaft nun endet. Wenn ich mich bemüht hätte, eine entsprechende Rolle in der Politik zu spielen, so wäre mir das nicht gelungen. Ich könnte niemandem irgendeinen Nutzen bringen und mir selbst würde es ebenfalls keinerlei Befriedigung schenken. Allein, die Menschen, die an Armut leiden und physische und psychische Gebrechen erdulden müssen, sollen wenigstens ein wenig christliche Liebe und Barmherzigkeit erfahren. Dies hat mich stets beunruhigt, und jetzt mache ich es zu meinem Lebensziel. Man erzählt, dass es Menschen gibt, die aus dem weltlichen Leben scheiden, es verlassen wollen,aber ich möchte das Gegenteil tun, ich möchte mich ganz darauf einlassen. Eine Seite dieses Lebens lernte ich dank meiner früheren Verpflichtungen kennen. Dies war das, was man die Welt der “Gesellschaft” nennt. Ich habe getan, was ich konnte. Vielleicht habe ich meine Verpflichtungen schlecht erfüllt.

Ich habe mich bemüht, meinen Mann in seinem Leben, das er führte, bei den ihm obliegenden Verpflichtungen zu unterstützen - Prunk, Festlichkeiten. Ich habe ehrlich geglaubt, dass ich ihm dabei helfen sollte. Ich tat dies mit Freude, mit dem Gefühl, dass wir anderen eine Freude bereiten. Unsere Abende haben allen gefallen, ich sah an ihnen viele glückliche Gesichter. Sie denken, dass ich diese Welt richten will bzw. sie schon verurteile? Aber ich habe es schon damals gesehen und verstanden, dass die Reichen, die Jugendlichen, die ehrsüchtigen Menschen, die nur ihr Vergnügen suchen, nicht leiden, aber wenn sie es tun, dann tröstet sie vor allem die Verehrung des Goldenen Kalbes, der eigenen Person. Was ist das für eine stockfinstere Qual!

Im Klosterkrankenhaus

Im Klosterkrankenhaus

Es ist möglich, dass ich mich täusche (Ich weiß, dass man sich über mich lustig macht, weil ich meine Dasein in ärmlicher Umgebung verbringen möchte), aber ich glaube, dass ab und zu auch jemand sich meine Perspektive der Dinge aneignet und mir zu Hilfe kommt, für einige Stunden die leeren Vergnügungen sein läßt, wenn er auch nur ein einziges Mal sieht, welche grenzenlose Freude ein gutes Wort schenken kann, ein wenig Unterstützung, Hilfe bei der Suche nach Arbeit oder Trost im Leiden.Sie können mir, wie dies schon viele getan haben, sagen: “Bleiben Sie in Ihrem Palast, in Ihrer Witwenrolle und tun sie “von oben” etwas Gutes!” Aber wenn ich von anderen fordere, dass sie meinen Überzeugungen folgen, dann soll ich es ihnen gleichtun und mit ihnen die Schwierigkeiten durchstehen. Ich soll stark sein, um sie zu trösten, durch mein Beispiel zu ermutigen.Ich habe weder Verstand noch Talent. Ich besitze nichts davon, außer der Liebe Christi, doch ich bin schwach. Die Wahrhaftigkeit unserer Liebe zu Christus, unsere Ergebenheit IHM gegenüber können wir ausdrücken, in dem wir andere Menschen trösten. Gerade dadurch übergeben wir IHM unser Leben.O weh, ich schreibe so schlecht, mir fällt es schwer, dies alles zu erklären...Ich weiß, dass ich den Anforderungen nicht genüge, aber zu mir sagte eine Nonne mit tiefem Glauben und riesiger Liebe zu Christus: “Legen Sie Ihre Hand in die Hand Gottes und gehen Sie, ohne zu schwanken.”

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3 months ago

Gerhard Schuder

3 months ago
Very impressive. I love her, a soul full of grace. Thank you for this message.
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