Briefe an meine geistlichen Kinder. Teil 24

12. Mai 2022

briefe

IGUMEN NIKON (WOROBJOW)

Briefe an verschiedene Personen

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Danke für den Brief. Ich habe schon begonnen, mir ernsthaft Sorgen zu machen. Leider lastet deine Vergangenheit sehr auf dir. Ich bin aber froh, dass du dies wenigstens einsiehst. Ich verurteile dich in keiner Weise. Der Mensch ist so schwach. Die Sünde wirkt so stark in seiner Seele und seinem Körper, und auch die Dämonen werfen sich erbarmungslos auf jeden, der versucht, ihrer Macht zu entkommen, dass es für einen Mensch quasi unmöglich ist, nicht auszurutschen und gelegentlich in sein früheres Leben zurückzufallen. Sei deshalb nicht verwundert und verzage nicht. Das Handwerk, Schuhe zu flechten, erlernt man auch nicht von heute auf morgen. In das Reich Gottes gelangt man nur durch viel Leid, durch Kämpfe und viele Mühen.

Du hast im Evangelium gelesen, dass das Gottesreich einem Sauerteig gleicht, den man Mehl beigibt, damit es ganz durchsäuert wird. So ist es auch mit der menschlichen Seele. Sie ist nicht sofort ganz vom neuen Sauerteig des Evangeliums durchsäuert. Manchmal geschieht dies sehr schnell, manchmal geht es eher langsam vonstatten. Du verstehst doch wovon ich rede? Sei deshalb nicht verwundert, wenn es dir scheint, dass sich nichts zum Besseren wandelt. Eines ist notwendig: Man sollte sich bemühen, nach den Geboten des Evangeliums zu leben. Kämpfe und stelle dich freiwillig jeder Sünde entgegen, sei es in dem was du tust, sagst oder denkst. Gib dich nicht freiwillig irgendwelchen dummen Neigungen hin. Wenn es aber dazu gekommen sein sollte, dann lass den Herrn wissen, wie Leid es dir tut. Bitte Ihn um Vergebung. Kämpfe weiter, und das bis zum Tod!

Denke daran, dass du aus eigener Kraft nichts ausrichten kannst. Ruf deshalb immer den Herrn Jesus Christus an und bitte Ihn, dass er dir in jeder Versuchung helfen möge. Dann wird sich zu deinem guten Willen auch die Kraft Gottes hinzugesellen, die jegliche Sünde und jegliches Wirken der Dämonen besiegen kann. Wenn du eine sündige Neigung besiegt hast, dann schreibe dir diesen Sieg nicht selbst zu, sondern dem Herrn. Danke Ihm, dass er dir geholfen hat, die Sünde zu besiegen. Wenn du es dir aber selbst zuschreibst, dann wirst du dieser Sünde wieder verfallen.

Bemühe dich darum, den Namen Gottes immer öfter anzurufen. Du hast begriffen, was gut und was schlecht ist. Der Herr erwartet jetzt von dir, dass du dich an Ihn bzw. an seine heiligen Gebote hältst. Er möchte, dass du dich an ihnen in deinem Leben orientierst und nicht mehr dem folgst, was dir die Dämonen oder deine gefallenen Natur, die von der Sünde befallen ist, einflößen. Du hast die Wahl. Der Herr schaut auf dich, wohin sich dein Willen neigt. Das irdische Leben ist einem Menschen dazu gegeben, um hier aus freien Stücken zu wählen, ob man mit Gott oder aber mit dem Teufel sein möchte. Das zukünftige Leben hängt deshalb auch von dem hiesigen ab. Diejenigen, die ihr ganzes Leben für die Sünde und den Teufel gelebt haben, werden auch nach dem Tod auf ewig mit ihm sein. Die aber, die sich das ganze Leben zum Herrn hingezogen gefühlt haben, werden, auch wenn sie von Zeit zu Zeit abgefallen sind, auch nach dem Tod mit dem Herrn sein und in ewiger Seligkeit wandeln.

Der Herr hat dir deine Krankheit nicht umsonst geschickt. Er hat dies nicht so sehr als Strafe für deine vorherigen Sünden (obwohl nach den Gesetzen der geistlichen Welt jeder Sünde Leid folgt) getan, sondern vielmehr aus Liebe zu dir, um dich aus deinem Leben in Sünden herauszureißen und auf den Weg zum Heil zu bringen. Danke Gott dafür, dass er für dich sorgt. Beleidige ihn nicht mit Sünden, zu denen du dich aus freien Stücken entscheidest. Kämpfe viel lieber gegen jede Sünde an. Sonst wirst du noch viel mehr leiden müssen als bisher.

Verzeih mir, wenn ich dich mit irgendetwas beleidigt haben sollte. Möge der Herr dich segnen und dir helfen, deine Seele zum Heil zu führen und nicht wegen irgendwelcher nichtigen und fälschlichen irdischen Interessen ins Verderben zu laufen.

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Dein Traum zeigt dir sehr deutlich, dass erstens die Feinde unseres Heils versuchen, in unsere Seele einzudringen, um sie auszurauben, zu besudeln und für den Herrn unbrauchbar zu machen, und zweitens, dass man sich vor ihnen retten kann, indem man sowohl zu Hause als auch in der Kirche betet und die Gebote des Herrn erfüllt. Drittens zeigt er dir, dass der Herr mit jedem Menschen mitfühlt und jedem das Heil wünscht. Wie groß muss seine Liebe zu einem Sünder sein, dass er, der Schöpfer der Welt, Fleisch angenommen und auf der Erde gelebt hat, dass er es über sich hat ergehen lassen, angespien, geschlagen und verhöhnt zu werden und um des Heils von uns Sündern willen am Kreuz gestorben ist.

Was können wir denn erwarten, wenn wir auf diese Liebe Gottes zu uns mit Gleichgültigkeit und Unglauben antworten und nicht bereit sind, gegen unsere Sünden anzukämpfen, wenn wir die Gebote Gottes bewusst übertreten und uns selbst dafür rechtfertigen, statt es voller Tränen zu bereuen? Wir werden einfach vom Angesicht Gottes verstoßen. „Mit welchem Maß du misst, wirst auch du gemessen werden“ (Mk. 4,24) – spricht der Herr. Wenn wir mit unserem Tun die Liebe Gottes zu uns ablehnen, dann wird sich auch der Herr von uns abwenden. „Ich kenne euch nicht, gehet von mir in das ewige Feuer“ (Mt. 7,23). Das ist das Gericht Gottes, das bereits hier über hartnäckige Sünder, die das Wort Gottes verachten und das Evangelium um der Rechtfertigung ihrer eigenen Sündhaftigkeit willen verzerren, gehalten wird. Wehe ihnen! Ewige Qualen, Tränen und Zähneklappern all denen, die die Liebe Gottes verachtet haben, die für schmutzige Annehmlichkeiten dieser Welt ihre Würde als Christ verkaufen und es vorziehen, den Willen des Teufels zu tun. Wessen Willen ein Mensch hier auf der Erde erfüllt, an dessen Seite wird er auch nach dem Tode sein. Wer auf der Erde ein Knecht des Teufels war, wird auch nach dem Tod sein Knecht sein und wird das gleiche Los wie die Dämonen erleiden.

Serjoga, du hast alle Bedingungen, um Buße zu tun und das Heil zu erlangen, sowohl äußere als auch innere, wie sie heute in unserer Zeit selten jemand hat. Wenn du sie nicht nutzt und die Sache deines Heils immer wieder vertagst, kannst du dich damit sehr einfach selbst betrügen. Wir können nicht sicher sein, dass der morgige Tag uns wirklich gehört. Der Herr warnt uns: „Seid zu jeder Minute bereit, denn niemand kennt den Tag noch die Stunde, wenn man kommt, um unsere Seele zu holen“ (Mt. 25,13).

Ich rate dir sehr, dich für keine Sünde versuchen zu rechtfertigen, auch wenn sie sehr klein erscheinen mag. Jede Sünde ist eine Nichtachtung des Willens Gottes und zeigt, dass man Gott nicht liebt, wie auch andersherum. „Wer Mich liebt – spricht der Herr – der erfüllt meine Gebote“ (Joh. 14,23). Deshalb ist es nötig, dass wir jede Sünde, die wir tun, durch Buße bereinigen.

Kümmere dich um dein Heil. Versuche dich von dieser Welt, die allem Geistlichen wie auch Gott selbst immer feindlich gegenüberstand und stehen wird, loszureißen. „Die Welt wird euch hassen“ (Joh. 15,18) – hat der Herr gesagt.

Wer sind diese „euch“? Alle, die an den Herrn Jesus Christus glauben und sich bemühen, nach seinen heiligen Geboten zu leben.

Bete für mich.

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