Brjantschaninow, Grundlagen des geistlichen Lebens 3

29. September 2022

Brjantschaninow, Grundlagen des geistlichen Lebens 3

2. Was ist die Bedeutung des Glaubens an Christus?

Folgendes schreibt der heilige Ignatij:

Der Beginn der Bekehrung zu Christus besteht im Kennenlernen der eigenen Sündhaftigkeit und des Gefallenseins. Durch diese Sicht auf sich selbst erkennt der Mensch sein Bedürfnis nach Erlösung und so nähert er sich Christus in Demut, Glaube und Reue. Wer seine Sündhaftigkeit, sein Gefallensein und seine Gefährdung nicht erkennt, kann Christus nicht annehmen oder an Ihn glauben; er kann kein Christ sein. Wozu braucht der Mensch Christus, wenn er selbst weise und tugendhaft, mit sich selbst zufrieden ist und sich aller irdischen und himmlischen Belohnungen für würdig hält?

Aus diesen Worten folgt unwillkürlich der Gedanke, dass das Bewusstsein der eigenen Sündhaftigkeit und die daraus hervorgehende Buße die erste Bedingung sind, Christus zu empfangen. Das heißt, der Glaube, dass Christus gekommen, gelitten und auferstanden ist, ist der Beginn der Bekehrung zu Christus, denn “das glauben auch die Dämonen und sie zittern”(Jak 2,19), und aus der Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit entsteht wahrer Glaube an Ihn. Im Denken des heiligen Hierarchen zeigt sich die erste und wichtigste Position des geistlichen Leben, die so oft der Aufmerksamkeit der Gläubigen entgleitet und die wahre Tiefe seines orthodoxen Verständnisses zeigt. Es kommt vor, dass der Christ keineswegs derjenige ist, der der Tradition gemäß glaubt oder von der Existenz Gottes durch irgendeine Form von Beweisen überzeugt ist, und natürlich ist der Christ ist keineswegs jener, der in die Kirche geht und sich für etwas „Besseres“ hält als alle Sünder, Atheisten und Nichtchristen. Nein, der Christ ist derjenige der seine eigene geistliche und moralische Unreinheit, seine eigene Sündhaftigkeit sieht. Er sieht, dass er zugrunde geht, er leidet darunter und wird daher innerlich frei den Retter und den wahren Glauben an Christus zu empfangen. Aus diesem Grund schrieb zum Beispiel der Heilige Justin der Philosoph: „Er ist der Logos, an dem das ganze Menschengeschlecht teil hat. Diejenigen, die nach dem Logos leben, sind Christen ihrem Wesen nach, obwohl sie sich selbst für gottlos hielten: zu ihnen gehören Sokrates und Heraklit und andere unter den Hellenen … Genauso waren diejenigen, die vor uns im Widerspruch zum Logos gelebt haben, unehrenhaft, Christus entgegengesetzt… während diejenigen, die lebten und auch jetzt noch entsprechend Seiner Lebensweise leben, sind Christen ihrem Wesen nach.“ Deshalb haben so viele heidnische Völker bereitwillig das Christentum angenommen.

Im Gegenteil, wer sich selbst als gerecht und weise ansieht, der seine eigenen guten Taten sieht, kann kein Christ sein und ist keiner, egal wo er in der administrativen und hierarchischen Struktur der Kirche. Der heilige Ignatij berichtet über die beredte Tatsache aus dem irdischen Leben des Erlösers, dass Er mit tränenreicher Reue von einfachen Juden empfangen, die Ihm ihre Sünden bekannten, während die „intelligente“, „tugendhafte“ und respektierte jüdische Elite – die Hohepriester, Pharisäer (eifrige Erfüllung kirchlicher Bräuche, Regeln usw.) und Schriftgelehrten (Theologen) Ihn hasserfüllt zurückgewiesen und zu einem schrecklichen Tod verurteilten.

Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken (Mt 9,12), sagt der Herr. Nur diejenigen, die die Krankheit ihrer Seele sehen und wissen, dass sie aus eigener Kraft nicht geheilt und so auf den Weg der Gesundung und Erlösung nicht gelangen können, denn sie können sich an den wahren Arzt wenden, der für sie gelitten hat– Christus. Außerhalb dieses Zustands, der von den Väter „sich selbst erkennen“ genannt wird, ist ein normales geistliches Leben unmöglich. „Das ganze Gebäude der Erlösung baut auf dem Wissen und Bewusstsein unserer Gebrechlichkeit auf“, schreibt der Hl. Ignatij. Er zitiert wiederholt die bemerkenswerten Worte des Hl. Petrus von Damaskus: „Der Beginn der Erleuchtung der Seele und Zeichen ihrer Gesundheit ist, wenn der Geist beginnt, seine eigenen Sünden zu sehen, die zahlreich sind wie der Sand des Meeres“.

Deshalb äußert der heilige Ignatij wieder und wieder: Demut und die daraus entstehende Reue sind die einzigen Bedingungen, unter denen Christus empfangen werden kann! Demut und Reue sind der einzige Preis, um den die Erkenntnis Christi erkauft werden kann!

Demut und Reue machen die einzige moralische Bedingung aus, wie man sich Christus nähern kann, um von Ihm aufgenommen zu werden! Demut und Reue sind die einzigen Opfer, die vergelten, und die Gott vom gefallenen Menschen annimmt (s. Ps 50,18-19). Der Herr verwirft diejenigen, die von Stolz infiziert sind, mit einer falschen Meinung von sich selbst, die Reue für überflüssig halten, da sie sich selbst von der Liste der Sünder ausgeschlossen haben. Sie können keine Christen sein.

Übersetzung aus dem Englischen

Quelle: Alexei I. Osipov, The Search for Truth on the Path of Reason (Sretensky Monastery, Pokrov Press, 2009) 238-240

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