Klostermaus Lisa erzählt (Teil 34)

5. Februar 2022

Der Kirchenbau und seine Einrichtung

 Kirche zu Ehren der Ikone “Die Thronende (Derschawnaja)”

Kirche zu Ehren der Ikone “Die Thronende (Derschawnaja)”

Hallo Kinder! Heute lade ich euch ein, etwas zum Thema orthodoxer Kirchbau zu erfahren. Vielleicht ist es ja auch für die Großen interessant.

Im Alten Testament gab der Herr selbst die Anweisungen für den Bau des Tempels, der Seiner Verehrung und dem Gottesdienst dienen sollten.

 Tempel zur Zeit Jesu (Rekonstruktion)

Tempel zur Zeit Jesu (Rekonstruktion)

Der Tempel des Alten Bundes bestand aus drei Bereichen:

  1. Das Allerheiligste
  2. Das Heiligtum
  3. Der Vorhof

 schematische Darstellung des Tempels

schematische Darstellung des Tempels

Das Allerheiligste stellte das Himmlische Königreich Gottes dar. Dort hinein zu gehen, war strengstens verboten, denn es war nach dem Sündenfall von Adam und Eva für die Menschen verschlossen wurden.

Nur einmal im Jahr ging der Hohepriester mit einem Opfer in das Allerheiligste. Damit erinnerte er die Menschen des Alten Bundes daran, das der Moment kommt, an dem der Erlöser kommen wird und durch das Vergießen seines Blutes das Himmelreich wieder allen öffnet.

 Das Opfer des Hohepriesters

Das Opfer des Hohepriesters

Deshalb zerriss der Vorhang im Tempel, der das Allerheiligste abtrennte, zum Zeitpunkt des Kreuzestodes Christi in zwei Teile: Der Retter öffnete den an Ihn Glaubenden die Pforten des Himmelreiches.

Der zweite Bereich des Tempels war das Heiligtum. Dort durften nur die Priester hineingehen. Das einfache Volk durfte nicht ins Heiligtum gehen, sondern sie standen in den Vorhöfen (als Erinnerung daran, dass die Menschen aus dem Paradies vertrieben worden waren).

Dort in den Vorhöfen versammelten sich dann auch die Geldwechsler und Händler, die von Jesu aus dem Tempel vertrieben wurden.

 Ikone der Tempelreinigung Jesu

Ikone der Tempelreinigung Jesu

Nach dem Vorbild des Tempels des Alten Bundes wurde auch die Kirche des Neuen Bundes geschaffen. Auch sie hat drei Bereiche. Das Allerheiligste entspricht dem Altarraum, dem Abbild des Himmelreiches. Der Eingang in den Altarraum, die Königlichen Türen, sind bei allen wichtigen Momenten des Gottesdienstes geöffnet, um zu zeigen, dass nach der Ankunft Christi, des Erlösers, das Himmelreich für uns offen ist.

 Die geöffneten Königlichen Türen beim Gesang des Polyeleios

Die geöffneten Königlichen Türen beim Gesang des Polyeleios

Doch auch bei uns darf gemäß der kirchlichen Tradition niemand den Altarraum betreten, außer denjenigen, die den Gottesdienst vollziehen und jenen, die dabei helfen und den Segen dafür empfangen haben.

 Priester, Diakone und Altardiener im Altarraum während des Gottesdienstes

Priester, Diakone und Altardiener im Altarraum während des Gottesdienstes

Im mittleren Teil der Kirche, wo sich im Alten Bund nur die Priester aufhalten durften, stehen jetzt alle gläubigen Christen, denn Jesus Christus nannte die Gläubigen nicht mehr Knechte, sondern Freunde (Joh 15,15) und Kinder (Joh 13,33). Der Apostel Petrus bezeichnet alle Christen als “königliche Priesterschaft, heiliges Volk” (1Petr 2,9).

 Die Glöubigen im Kirchenschiff

Die Glöubigen im Kirchenschiff

In den nach den kirchlichen Statuten erbauten Kirchen existieren Kirchenvorhallen (Narthex). Die Kirche, die Versammlung der Gläubigen, erlaubt mitunter Christen, die schwer gesündigt oder von ihr abgefallen sind, nicht im mittleren Teil der Kirche (gemeint ist das Bauwerk). Deshalb wird auch die Beichte dort vollzogen.

 Bei der Beichte im Narthex

Bei der Beichte im Narthex

Kirchen sollten so gebaut sein, dass der Altar nach Osten zeigt, da im Osten die Sonne aufgeht. Wir verstehen sie als Sinnbild für Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, der Aufgang aus der Höhe.

 Die in  Ost-West-Richtung ausgerichtete Kirche

Die in Ost-West-Richtung ausgerichtete Kirche

Im Altarraum befindet sich der heiligste Ort in der Kirche: der Altar(tisch), auf dem auf geheimnisvolle Weise der Herr selbst in den Heiligen Gaben gegenwärtig ist. Er stellt einen besonders geweihten Tisch dar.

 Blick auf den Altar

Blick auf den Altar

Auf dem Altar befinden sich heilige Gerätschaften, die nur von den Zelebranten berührt werden dürfen. Ebenfalls im Altar befindet sich in russischen Kirchen der “erhöhte” Platz, auf dem der Bischof (der Eparchie) Platz nimmt, wenn er dem bischöflichen Gottesdienst vorsteht. Außerdem gibt es seitlich des Altars die Sakristei, einen Raum zur Aufbewahrung der gottesdienstlichen Gewänder und Gerätschaften.

 Der Metropolit von Minsk hat den “erhöhten” Platz eingenommen

Der Metropolit von Minsk hat den “erhöhten” Platz eingenommen

Die Ikonostase trennt den Altarraum vom mittleren Teil der Kirche, dem Kirchenschiff. Innerhalb der Ikonostase gibt es drei Türen. Die mittlere doppelseitige Tür nennt man königliche Türen. Die seitlichen heißen Diakonentüren. Man unterscheidet die nördliche und die südliche.

 Der Metropolit erteilt den Segen

Der Metropolit erteilt den Segen

Die Erhöhung vor der Ikonostase heißt Solea und der halbrunde Vorsprung vor den königlichen Türen heißt Amwon. Seitlich vor der Ikonostase befinden sich die Plätze für den Chor bzw. die Leser.

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