Die Begegnung der Frauen mit dem Auferstandenen

5. Mai 2022

Die Salben tragenden Frauen am Grab

Ikone “Die Salben tragenden Frauen am Grab”

vom Hl. Johannes Chrysostomos

Nach der Auferstehung erschien der Engel. Weshalb kam er und schob den Stein fort? Wegen der Frauen; sie sahen ihn ja am Grab sitzen. Damit sie glaubten, dass der Herr erstanden ist, sollten sie sehen, dass das Grab ohne Leichnam war. Deshalb hatte der Engel den Stein weggewälzt, deshalb war auch das Erdbeben entstanden, damit sie sich aufraffen und munter werden sollten. Sie waren ja aufgebrochen, den Leichnam zu salben; und das geschah in der Nacht, so dass einige vielleicht noch schlaftrunken waren. Weshalb, aus welchem Grund sprach der Engel: “Fürchtet euch nicht!” Er wollte ihnen zunächst die Furcht nehmen und dann die Auferstehung verkündigen...

Die Salben tragenden Frauen am Grab

Ikone “Die Salben tragenden Frauen am Grab”

“Und sie verliessen das Grab voll Furcht und Freude.” Wieso? Sie hatten etwas Bestürzendes und Unerhörtes erlebt: das leere Grab, wohin Jesus vor ihren Augen gelegt worden war. Deshalb hatte der Engel sie auch zum Schauen eingeladen, damit sie Zeugen beider Ereignisse würden, sowohl des Grabes als auch der Auferstehung. Sie begriffen auch, dass niemand ihn hätte fortschaffen können, da dort so viele Soldaten lagerten; er selbst mußte auferstanden sein. Daher waren sie zugleich erfreut und verwundert und empfingen auch den Lohn für ihr Ausharren, da sie als erste sehen und verkünden durften, nicht nur was sie gehört, sondern auch was sie gesehen hatten.

Die Salben tragenden Frauen am Grab

Ikone “Die Salben tragenden Frauen am Grab”

Als sie in Freude und Furcht das Grab verließen, “Siehe, da kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie aber umfassten Seine Füße.” Mit überwältigender Freude eilten sie auf ihn zu und empfingen durch die Berührung den Beweis und die volle Gewißheit Seiner Auferstehung. “Und sie warfen sich vor Ihm nieder.” Was sagt nun der Herr? “Fürchtet euch nicht?” Auch er nimmt ihnen wieder die Furcht, um dem Glauben den Weg zu bahnen. “Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.” Sieh, wie Er Selbst durch die Frauen die frohe Kunde überbringen läßt, um, wie ich schon oft erklärt habe, das so verachtete (weibliche) Geschlecht zu Ansehen zu bringen, es zu berechtigter Hoffnung zu führen und das, was sie zu erleiden haben, zu heilen.

Vielleicht wünscht jemand von euch, bei ihnen gewesen zu sein und Jesu Füße zu umfassen? Wenn ihr wollt, habt ihr auch jetzt die Möglichkeit, nicht nur Seine Füße und Hände, sondern auch Sein heiliges Haupt zu umarmen,wenn ihr mit reinem Gewissen die Ehrfurcht gebietenden Geheimnisse genießt. Doch nicht nur hier, sondern auch an jenem Tag werdet ihr Ihn schauen, wenn Er in unbeschreiblicher Herrlichkeit in Begleitung der Engel kommt, falls ihr nur Menschenliebe üben wolltet. Ihr werdet dann nicht nur diese Worte: “Seid gegrüßt!” zu hören bekommen, sondern auch die anderen: “Kommt her, die ihr von Meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist” (Mt 24,34) Seid also menschenliebend, damit ihr diese Worte zu hören bekommt.

(89. Homilie zum Matthäus-Evangelium, 2f.; PG 58, 783-785)

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