
Zehn lange Tage waren vergangen, seit Jesus Christus in den Himmel aufgefahren war. Die Jünger vermissten ihn sehr. Doch sie glaubten, dass der Herr bald sein Versprechen erfüllen und ihnen den Tröster senden würde.
Das große jüdische Pfingstfest war gekommen – das Gedenken an die Übergabe der 10 Gebote durch Gott an Mose am Berg Sinai. Alle Apostel, die Mutter Gottes, die anderen Jünger Christi und weitere Gläubige hatten sich in einem Obergemach in Jerusalem versammelt.
Plötzlich kam vom Himmel ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sich die Jünger befanden. Über jedem Apostel erschienen Zungen aus Feuer, und sie alle empfingen die gnadenreichen Gaben des Heiligen Geistes.
Diese Gaben verliehen den Aposteln außergewöhnlichen Mut und die Fähigkeit, die Lehren Jesu Christi weiterzugeben. Darüber hinaus begannen die einfachen Fischer-Apostel plötzlich, Gott in anderen Sprachen zu loben, die sie zuvor nicht gekannt hatten. Der Heilige Geist kam in Gestalt von Feuer auf sie herab, ein Zeichen seiner Macht, Sünden zu tilgen und Seelen zu reinigen, zu heiligen und zu erwärmen.
Eine große Menge Juden aus allen Ländern strömten zum Fest herbei. Als sie das Lodern des Feuers hörten, versammelte sich eine riesige Menschenmenge vor dem Haus, in dem die Jünger Christi wohnten. Sie kamen heraus und begannen begeistert von Christus zu erzählen. Alle waren erstaunt und fragten einander: „Sind das nicht alles Galiläer? Wie kommt es, dass wir alle unsere Muttersprache hören, jene Sprache, mit der wir aufgewachsen sind? Wie können sie in unseren Muttersprachen von den großen Taten Gottes reden?“ Und bestürzt sagten sie: „Sie müssen süßen Wein getrunken haben.“
Doch der heilige Apostel Petrus widersprach ihnen und tadelte die Juden, weil sie den Herrn Jesus Christus gekreuzigt hatten. Viele, die dieses Wunder der Herabkunft des Heiligen Geistes sahen, glaubten und fragten Petrus: „Was sollen wir nun tun?“ Er antwortete: „Kehrt um und lasst euch im Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden taufen; dann werdet auch ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
Und mehr als dreitausend Menschen wurden an diesem Tag getauft. So entstand die Heilige Kirche Christi. Sie setzt Gottes Werk auf Erden fort, und in ihr wirkt die Kraft des Heiligen Geistes, der uns allen zum Trost gesandt ist.
An diesem Tag – dem fünfzigsten nach Ostern – feiert die Kirche ihren Geburtstag. Wir nennen dieses Fest Pfingsten oder das Fest der Dreieinigkeit. Der darauffolgende Montag ist der Festtag des Heiligen Geistes.