Ehrlichkeit

12. November 2021

Ehrlichkeit

Während des Krieges beschloss ein reicher Mann, den Armen zu helfen und teilte an die Kinder kostenlos Brot aus.

Viele Kinder versammelten sich daraufhin am frühen Morgen auf seinem Hof. Als der Mann mit den großen Brotkörben kam, begannen alle sich zu zanken und zu streiten, in dem Bemühen, für sich das größte Stück abzubekommen.

Der Mann bemerkte, dass in der Ecke des Hofes ein Mädchen voller Demut wartete. Als sich schon alle Brot genommen hatten und wieder auf den Heimweg machten, ging auch sie zu dem Brotkorb. Sie freute sich sehr, als sie darin noch ein kleines Stück Brot fand. Das Mädchen nahm es, dankte und lief nach Hause. Den ganzen Tag dachte der Mann über das Verhalten des kleinen Mädchens nach, und er beschloß, ein ganz, ganz kleines Brot zu backen und dort 10 Goldmünzen hineinzulegen.

Am frühen Morgen des nächsten Tages legte er die Brote in die Körbe und oben auf legte er das ganz, ganz kleine Brot. Er trat auf den Hof zu den Kindern, die ihn schon mit Ungeduld erwarteten. Wieder stürzten sich die Kinder auf die Brotkörbe und begannen zu zanken und zu streiten.

Das Mädchen, das gestern so gehorsam gewartet hatte, nahm auch dieses Mal das allerkleinste Brot, das im Korb geblieben war. Sie dankte wiederum dem Hausherrn und eilte zur Mutter heim.

Als sie zu Hause am Tisch saßen und das Brot brachen, fielen die Goldmünzen heraus. “Oje!”, rief die Mutter ängstlich, “Was ist das für Geld? Wenn sie nun zufällig ins Brot gekommen sind? Womöglich sind sie aus der Hosentasche des Bäckers gefallen, als er den Teig geknetet hat? Nimm sie und bringe sie sofort zurück.”

Das Mädchen kehrte zu dem Mann zurück und übergab ihm alle seine Münzen, indem sie ihm erzählte, wie sie sie in dem von ihm erhaltenen Brot gefunden hatten.

Mit einem liebevollen Blick auf sie gerichtet, sagte der Mann: “Diese Münzen sind nicht zufällig in das Brot gelangt. Gestern habe ich deine Geduld bemerkt, und dass Du mit dem Kleinsten zufrieden warst und da wollte ich Dich belohnen. Und heute erfuhr ich, dass Du auch noch ehrlich bist, denn Du hättest diese Münzen behalten können, aber Du hast sie zurück gebracht. Als Belohnung dafür sollst Du nun jeden Morgen, wenn Du Brot holen kommst, 10 Goldmünzen erhalten.

Von nun an, jeden Morgen, wenn das Mädchen die Goldmünzen erhielt, teilte sie diese mit allen anderen Kindern. Sie wußte, dass alle Kinder, so wie sie selbst, dieser Almosen bedürfen.

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