
Eine Woche vor dem jüdischen Fest, auch bekannt als Pessach, war Jerusalem voller Menschen. In dieser Woche ereigneten sich große und schreckliche Dinge im Leben des 33-jährigen Erlösers. Einer Seiner engsten Jünger, Judas Iskariot, verriet Seinen Lehrer und erhielt dafür 30 Silberlinge von den Feinden Christi. In der Nacht nach dem Pessachmahl, bei dem Er die Hl. Mysterien Seines Leibes und Blutes einsetzte, wurde der Erlöser gefangen genommen und vor den Hohepriester gebracht. Ein Rat ruchloser Ältester verurteilte Jesus Christus mit falschen Zeugenaussagen zum Tode. Um das Urteil zu bestätigen, wurde der Erlöser zum Palast des römischen Statthalters Pilatus gebracht. Eine Menschenmenge folgte dem Verurteilten und forderte den Tod des Sohnes Gottes. Pilatus fragte nach dem Vorwurf gegen ihn. Die Menge schrie, Jesus nenne sich selbst den König der Juden und verstöre das Volk. Pilatus, der zuvor mit Christus unter vier Augen gesprochen hatte, fand kein Verbrechen und verkündete dies der Menge. Er bot an, Jesus freizulassen, wie es damals üblich war, einen Verbrecher im Hinblick auf ein großes Fest zu begnadigen. Doch die Menge, von den Ältesten angestachelt, schrie immer lauter: „Kreuzigt Ihn! Lasst den anderen frei!“ Pilatus sagte, er werde ihn freilassen, und befahl den Soldaten, Christus zu schlagen. Als er blutend vor die Menge geführt wurde, hallte der Ruf weiter: „Kreuzigt Ihn!“

Da befahl Pilatus, Wasser zu bringen, wusch sich vor den Juden die Hände, da er sich nicht für den Tod Jesu Christi schuldig fühlte, und lieferte Ihn zur Kreuzigung aus. Zwei Räuber sollten mit Ihm hingerichtet werden. Sie wurden mit Ihm durch die Straßen Jerusalems geführt, die von Menschen in ihren besten Kleidern bevölkert waren. Einige weinten und trauerten um Jesus, aber die Mehrheit spottete über Ihn: „Andere hat Er gerettet; nun soll Er sich selbst retten!“ Schließlich wurden die Verurteilten vor die Stadtmauern geführt und auf einem Berg namens Golgatha gekreuzigt. Die ganze Natur trauerte um den Tod des Herrn: Die Sonne verdunkelte sich, und eine tiefe Finsternis dauerte mehr als drei Stunden. Die Erde erbebte, Felsen brachen auseinander und gaben Steingräber frei. Die Leiber der Gerechten erhoben sich und erschienen ihren Familien in Jerusalem. An diesem Abend war das jüdische Pessachfest. Ein wohlhabender Mann namens Josef von Arimathäa, der heimlich ein Jünger Christi gewesen war, kam zu Pilatus und bat den römischen Statthalter um den Leichnam des gekreuzigten Jesus. Pilatus willigte ein, und Josef und ein anderer Jünger des Herrn, Nikodemus, nahmen den Erlöser vom Kreuz, salbten ihn mit wohlriechendem Öl, hüllten ihn in reines Leinen – ein Leichentuch – und legten ihn in ein neues Grab unweit von Golgatha. Der Eingang zur Höhle wurde mit einem großen Stein versiegelt. Die Juden stellten eine Wache auf und versiegelten das Grab, um die Jünger daran zu hindern, den Leichnam des Meisters mitzunehmen.

Der nächste Tag war Samstag, ein Ruhetag, an dem nichts geschehen durfte. Am Sonntagmorgen in aller Frühe gingen die treuen Jüngerinnen Christi voller unaussprechlicher Trauer zum Grab, um Ihn mit wohlriechendem Balsam zu salben. Doch sie fanden keinen der Wächter vor und den Stein vom Eingang weggewälzt. Ein Engel in schneeweißen Gewändern saß auf dem Stein und verkündete den erschrockenen Frauen, dass Christus auferstanden und nicht mehr im Grab sei. In großer Verwirrung liefen die Frauen zu den Aposteln, doch diese glaubten ihnen nicht. Nur Petrus und Johannes beschlossen, nachzusehen, was geschehen war. Als sie das Grab erreichten, sahen sie, dass Christus nicht da war, nur sein Leichentuch. Da erkannten sie, dass das, was der Erlöser ihnen zuvor gesagt, aber sie nicht verstanden hatten, geschehen war: Christus war auferstanden. Nachdem Petrus und Johannes gegangen waren, kehrte Maria Magdalena zum Grab zurück. Sie stand dort und weinte. Plötzlich sah sie zwei Engel an der Stelle stehen, wo Christus gelegen hatte. Diese fragten sie, warum sie weine. Sie antwortete, dass der Leib des Herrn weggenommen worden sei. Sie drehte sich um und sah Christus, erkannte ihn aber nicht, da sie ihn für den Gärtner hielt. Jesus rief sie beim Namen, und erst da erkannte sie Seine unvergessliche Stimme, und ihre Trauer verwandelte sich in große Freude. Maria Magdalena sah als Erste den auferstandenen Herrn. Er sagte ihr, dass Er zu seinem himmlischen Vater in den Himmel zurückkehre und dass Er wiederkommen werde, um sich von seinen Jüngern zu verabschieden.

Christus starb am Kreuz, aber Er besiegte den Tod – Er ist auferstanden. Deshalb grüßen wir uns an Ostern voller Freude: „Christus ist auferstanden!“ und antworten: „Er ist wahrhaft auferstanden!“ Das Fest der Auferstehung hieß in der Antike Pascha, doch nach Christi Kommen auf Erden erhielt es eine neue Bedeutung. So wie Gott die alten Juden an Pascha aus der ägyptischen Sklaverei befreite, so hat der Herr nun alle, die an ihn glauben, aus dem Reich des Todes befreit.
Troparion der Auferstehung unseres Herrn, Gottes und Erlösers Jesu Christi аn Pascha
Christ ist erstanden von den Toten,
im Tode bezwang Er den Tod
und hat allen in den Gräbern das Leben gebracht.