Hl. Elisabeth Feodorowna: Ihre Wohltätigkeitsarbeit

11. Oktober 2022

Hl. Elisabeth Feodorowna: Ihre Wohltätigkeitsarbeit

Über das Leben der Großfürstin Elisabeth Feodorowna Romanowa kann man lange sprechen. Viele Bücher wurden veröffentlicht, es gibt einen umfangreichen Briefwechsel, Zeugnisse von Zeitgenossen und einzigartige Fotoarchive.

Ella, wie ihre Familie sie nannte, halb Deutsche, halb Engländerin, konnte nie die Freude der Mutterschaft kennenlernen, aber sie war für unzählige Russen eine echte Mutter geworden.

Natürlich war Wohltätigkeit in Russland kein völlig neues Phänomen. Aber es war Elisabeth Feodorowna, die das Wesen der aufopfernden Liebe in vollem Umfang offenbaren sollte.

Unser heutiger Artikel greift einige Aussagen aus einem Interview auf, das die Journalistin Darja Strischowa mit der Regisseurin Jelena Nikolajewna Tschawtschawadse führte, die an einem Filmprojekt über die Heilige Elisabeth Feodorowna beteiligt war.

Der 11. Oktober

Jelena Nikolajewna erinnert daran, dass am 11. Oktober 1918 die sterblichen Überreste der Großfürstin Elisabeth Feodorowna und ihrer Zellendienerin aus dem Schacht bei Alapajewsk geborgen wurden. Dieses Tag begeht nun die Russische Orthodoxe Kirche als Gedenktag der Erhebung der Gebeine der Heiligen Märtyrernonnen. Es war ihr Anliegen, über Elisabeth Feodorowna nicht nur als erste Vorsteherin des Martha-Maria-Konventes zu berichten, sondern ihren beispiellosen sozialen Dienst für Russland hervorzuheben.

Jelena Nikolajewna charakterisiert die Hl. Elisabeth Feodorowna wie folgt. Woran Elisabeth Feodorowna auch immer ihr Herz hing, sie fügte ihre charakteristischen Eigenschaften hinzu: Beständigkeit und Treue. Dies gilt auch für die Annahme des orthodoxen Glaubens: Der Wechsel ihres Bekenntnisses erfolgte im Leben von Großfürstin Elisabeth erst nach sieben Jahren Ehe, bewusst und ernsthaft. Aber als sie ihre Entscheidung getroffen hatte, blieb sie ihr bis zum Ende treu.

Sie war nicht nur ein Vorbild als orthodoxe Gläubige, sondern auch ein beispielhafter Staatsdiener. Es ist für uns schwer vorstellbar, wie eine Person, die eigentlich keine derartige Last hätte tragen müssen, da sie zur Elite der russischen Gesellschaft gehört, in Wirklichkeit ein ganzes "Sozialministerium" leitete. In der heutigen Zeit umfassen die Aufgaben eines solchen Amtes die Funktion des stellvertretenden Ministerpräsidenten der Russischen Föderation für soziale Angelegenheiten, und so verstehen wir, was für eine enorme Belastung und kolossale Verantwortung Elisabeth Feodorowna auf sich nahm.

Der Umfang der sozialen Arbeit der Großfürstin

Jelen Nikolajewna musste zugeben, dass sie dachte, bereits gut über russische Geschichte und die Aktivitäten Elisabeth Feodorownas unterrichtet zu sein. Als sie aber anfing, sich in die Materie einzuarbeiten, stellte sich heraus, dass sie noch eine Menge Unbekanntes zu lernen hatte.

Die Reisen der Großfürstin waren nicht allein Pilgerreisen, was für jemanden mit einer monastischen Seele natürlich ist, sondern auf ihnen zeigte sie sich auch als Staatsmann und Verwalter.

So kann man auch den hingebungsvollen Kampf des großfürstlichen Paares mit einer Epidemie im Gouvernement Moskau erwähnen, wobei uns heute die Größe des betreffenden Territoriums beeindruckt.

Wohlfahrt von allen für alle

Jelena Nikolajewna räumt mit einem Stereotyp auf, dass wohlhabende Bürger nur aus ihren Überschüssen spenden. Doch Elisabeth Feodorowna gelang es, alle Schichten der Gesellschaft für die Wohltätigkeit zu gewinnen: Arme und Reiche. Die Spender waren für die Fürstin gleichermaßen wertvoll: sowohl der Junge Wasja, der fünf Kopeken spendete, als auch Fürst Golizyn, der zwanzigtausend spendete.

In den prunkvollen Sälen der Adelsversammlung und des Bolschoi-Theaters wurden jährlich Wohltätigkeitsbasare veranstaltet. Elisabeth Feodorowna stand, wie viele Angehörige der Oberschicht, selbst hinter der Auslage und verkaufte ihre Arbeiten - sie konnte sehr gut zeichnen.

In den Tagebuchaufzeichnungen des Großfürsten Sergej Alexandrowitsch finden sich diese Zeilen: "Meine Frau ist wieder auf dem Wohltätigkeitsbasar.” Erinnern Sie sich an die Episode, als der Bauer, der sie auf einem dieser Jahrmärkte ansprach, sagte: "Fürstin, Sie sind ein Engel! Geben Sie mir etwas, das Sie mit Ihren Händen gemacht haben"? Solche Fälle widerlegen die Rhetorik der Bolschewiki, die den Hass der einfachen Leute auf die Reichen und Adligen beschworen.

Elisabeth Feodorowna und ihre “Mannschaft”

Man vertraute ihr bedingungslos. Es gelang ihr, ein Team von Menschen aus den privilegierten Schichten der russischen Gesellschaft um sich zu scharen. Die ersten Schwestern, die sich im Martha-Maria-Kloster niederließen, stammten aus der Aristokratie. Sie teilten die Ideen ihres Dienstes.

Elisabeth Feodorowna hatte das große Talent, Menschen in ihren Bann zu ziehen, und umgab sich mit Menschen, die ihre Grundprinzipien teilten: Beständigkeit und Loyalität.

Der Schwerpunkt von Elisabeth Feodorovnas sozialem Dienst war sehr breit gefächert: von der Anhebung des Niveaus der medizinischen Ausbildung von Krankenschwestern über die Versorgung der Frontkämpfer bis hin zu Besuchen in Untersuchungshaftanstalten. Für sie gab es keine "unangenehmen" Orte.

Ihr Talent zeigte sich besonders während der Kriege: sowohl im Russisch-Japanischen als auch im Ersten Weltkrieg. Es ist kaum vorstellbar, dass ein einziger Mensch allein in Moskau 807 Krankenhäuser unter seiner Obhut haben konnte und dass buchstäblich jeder Palast in St. Petersburg ebenfalls mit Lazaretten und Werkstätten ausgestattet war.

Ein wichtiges Anliegen der Filmregisseurin war es, die Großfürstin nicht nur als Märtyrerin und Gründerin des Martha-Maria-Klosters zu zeigen, was bereits ausreichend wäre für die Verehrung und Verherrlichung als Heilige, sondern auch als regen Tatmenschen und Beispiel für eine aufopfernde Liebe zu den Menschen.

In der Biografie von Elisabeth Feodorovna gibt es eine rührende Geschichte. Auf einer ihrer letzten Reisen durch das Land wollte sie auch Alapajewsk besuchen. Wegen des Ausbruchs des Krieges war sie jedoch gezwungen, umzukehren. Für ihre Ankunft wurde ein von den Bäuerinnen des Bezirks Alapajewsk gesticktes Handtuch als Geschenk vorbereitet. Es blieb erhalten.

Vier Jahre später wurde die Großfürstin bereits als Gefangene nach Alapajewsk gebracht, aber es gelang den Menschen, ihr in einem Korb mit Beeren und das gestickte Handtuch, das für ihre Ankunft im Jahr 1914 vorbereitet worden war, zu übergeben. Es war eine sehr einfache Handarbeit, aber es steckte so viel Liebe darin! Es ist unmöglich, eine solche Liebe nachzuahmen. Das Handtuch war ein Geschenk des einfachen Volkes, in dessen Namen die Revolution angeblich gemacht wurde.

Und gerade heute, im modernen historischen Kontext des neuen Russlands, schien es Jelena Nikolajewna wichtig, das Wirken der Großfürstin Elisabeth Feodorowna als Beispiel für eine einheitsstiftende Kraft in der Gesellschaft herauszustellen. Es scheint unmöglich zu sein, dass eine Person dies allein schaffen kann. Aber mit Gottes Hilfe und aufrichtigem Glauben im Herzen ist alles möglich.

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