Hl. Jewfrosinija von Polozk

5. Juni 2022

hl jewfrosinija von polozk

Jewfrosinija von Polozk (* zwischen 1100 und 1104 in Polozk; † 1167 oder 1173 in Jerusalem)

Troparion der Heiligen Jewfrosinija, Fürstin und Äbtissin von Polozk ( im 4. Ton)

Im zwölften Lebensjahr den zwölfjährigen Christus nachahmend, * und im Heiligtum das Wort Gottes lernend, * bist du, Jewfrosinija Ihm gefolgt. * Du verließest zeitliche Ehre und den irdischen Verlobten * und verachtetest alles Weltliche. * Als Schönste von allen wurdest du die Braut Christi, * du hast das Kreuz auf dich genommen, den Weg des engelsgleichen Lebens beschritten * und viele zu ihm bekehrt, * im Myronduft bist du in die himmlische Wohnung aufgefahren, * dort bete bei Dem, Den du geliebt, ** für jene, die dein Andenken fromm ehren.

Leben und Verehrung der Heiligen

Die Heilige Jewfrosinija (griech.: Euphrosyne), mit weltlichem Namen Predslawa Swjatoslawna war die Tochter des Fürsten von Witebsk Swjatoslaw Wseslawitsch, Äbtissin und Missionarin zur Zeit des Polozker Fürstentums.

Mit Erreichen der Volljährigkeit (12 Jahre) widersetzte sie sich einer dynastische Heirat und ging heimlich, gegen den Willen der Eltern, ins Kloster. Danach ließ sie sich in einer Zelle der Sophienkathedrale in Polozk nieder, wo sie im Skriptorium der Kirche Bücher kopierte und möglicherweise übersetzte. Sie engagierte sich als Friedensstifterin und unternahm zahlreiche Aktivitäten auf dem Gebiet der Bildung und Erziehung der christlichen Bevölkerung. Sie baute auf eigene Kosten zwei Kirchen in Polozk, gründete zwei Klöster, ein Frauen- und ein Männerkloster in der Nähe von Polozk, die zum Bildungszentrum des Fürstentums Polozk wurden. Es gab dort Schulen, Bibliotheken, ein Skriptorium, ein Armenhaus, wahrscheinlich eine Ikonenmalwerkstatt und eine Juwelierwerkstatt. Auf ihren Auftrag hin fertigte Lasar Bogscha ein Kreuz an, das als Euphrosyne-Kreuz von Polozk bekannt wurde. Dem Männerkloster wurde ein wunderbares Werk der byzantinischer Kunst geschenkt, die Ikone der Gottesmutter Hodegetria von Ephesus. 1167 starb die Hl. Jewfrosinija während einer Pilgerreise in Jerusalem und wurde im Kloster des Hl. Feodosij begraben.

“Euphrosyne-Kreuz” und Sarkophag der Heiligen

“Euphrosyne-Kreuz” und Sarkophag der Heiligen

Nach der Einnahme Jerusalems durch die Muslime wurde der Sarg mit den sterblichen Überresten der Hl. Jewfrosinija im Jahre 1187 in das Kiewer Höhlenkloster gebracht und in der Höhle des Hl. Feodosij beigesetzt.

Die Erlaubnis für die endgültige Überführung ihrer Reliquien wurde erst unter Zar Nikolaus II. eingeholt. Die sterblichen Überreste der Heiligen selbst wurden mit Ausnahme eines symbolischen Teils 1910 in das von ihr gegründete Erlöser-Kloster bei Polozk überführt. Die wundertätigen, Heilung schenkenden Eigenschaften der Reliquien wurden in diesem Zusammenhang ebenfalls offiziell anerkannt. Die Übergabe erfolgte sehr feierlich, die Reliquien wurden von hoch gestellten religiösen und gesellschaftlichen Persönlichkeiten Russlands begleitet.

Während der Evakuierung im Ersten Weltkrieg im Jahr 1915 wurden die sterblichen Überreste in ein Kloster nach Rostow überführt. Hier wurde 1920 der Sarg geöffnet. Am 13. Mai 1922 wurde bei der erneuten Autopsie in Polozk eine schlecht erhaltene Leiche gefunden. Danach wurden die sterblichen Überreste für die atheistischen Propaganda mißbraucht und in Museen ausgestellt.

Im Kloster handgefertigte “Steinikone” der Hl. Jewfrosinija

Während der deutschen Besatzung überführten die Gläubigen die sterblichen Überreste in die Mariä-Schutz-Kirche, und nach dem 23. Oktober 1943 wurden die sterblichen Überreste in das Kloster zu Ehren des Erlösers und der Hl. Jewfrosinija zurückgebracht, wo sie bis heute aufbewahrt werden.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelangte die altrussische Fürstentochter und Äbtissin, Gründerin zweier Klöster in Polozk, zu dem ihr gebührenden Ruhm.

Die Heiligsprechung von Jewfrosinija wurde durch die Aufnahme ihres Namens in die Versammlung der belarussischen Heiligen bestätigt, indem die Feier ihres Gedächtnisses 1984 mit dem Segen des Patriarchen von Moskau und ganz Russland Pimen (Iswekow) festgelegt wurde.

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