Hl. Manefa von Gomel

11. August 2022

Hl. Manefa von Gomel

Wir sind froh, dass Gott, der das Heil aller will, uns Sünder nicht nur nicht seiner Barmherzigkeit beraubt, sondern sie im Gegenteil ständig vermehrt. Und so öffnet Er uns jetzt ein weiteres Fenster in die geistliche Welt, indem Er Seine Gnade in der Person der Schima-Nonne Manefa, die in der Welt Maria Wladimirowna Skopitschewa hieß, ausgießt.

Maria Wladimirowna wurde am 1. April 1918 in der schwierigen Zeit des Bürgerkriegs im Dorf Sewrjuki in der Nähe von Gomel geboren und wurde ein große Beterin, Heilerin und Asketin des belarussischen Landes. Die Familie Skopitschew, in die das Neugeborene hineingeboren wurde, nannte das Kind Maria zu Ehren der Einsiedlerin Maria von Ägypten. Die Freude über die Geburt eines Kindes wurde bald von den Worten der Ärzte überschattet, die verkündeten, dass das Mädchen niemals laufen würde. Maria wurde mit einer Zerebralparese geboren. Es gab keine Hoffnung auf Heilung von dieser schweren unheilbaren Krankheit. Die Freude wurde durch Traurigkeit überschattet, eine schwere seelische Belastung. Das Schicksal ihrer Tochter musste ohne Murren hingenommen werden, und Gott half, gab Kraft, das Kreuz zu tragen.

Von früher Kindheit an sah Maria ihre Mutter Glykeria täglich vor den heiligen Ikonen beten, und die sensible Seele des Kindes erfasste den Sinn unseres Daseins auf Erden: Alles beruht auf Gebet, Liebe und Freundlichkeit. Als Kind sah Maria in einer nächtlichen Offenbarung zwei Wege und stand vor der Wahl, welche sie nehmen sollte. Da war eine Stimme: „Du wirst links gehen, du wirst dein Leben in Frieden leben, rechts wirst du leiden.“ Ohne zu zögern wählte Maria den richtigen Weg – den Weg des Leidens.

Geduld, Demut und Liebe zu allem Lebendigem um sie herum wuchsen im Herzen von Maria, obwohl es schwierig war, sich an die Trauer zu gewöhnen, wollte sie „wie alle anderen“ sein. Als sie aufwuchs, versuchte Maria, ihrer Mutter so gut wie möglich zu helfen, sie war immer mit Arbeit beschäftigt: Selbständig wusch sie Wäsche am Fluss, putzte das Haus und half beim Kochen. Sie bemühte sich, ihre Krankheit nicht zu bemerken, mit anderen auf Augenhöhe zu sein. Die Menschen in der Umgebung liebten Maria wegen ihrer fröhlichen Art, ihrer geschickten Hände und ihres erstaunlichen Geschmacks für Kleidung. Um nützlich zu sein, lernte Maria, Kleidung zuzuschneiden und zu nähen. Und die Nachbarn, die wussten, dass Maria den richtigen Schnitt wählen würde, gingen zu ihr.

Maria fand Freude an Gesprächen mit den Dorfbewohnern und trug pflichtbewusst ihr Kreuz. In ihrer Seele reifte die Furcht Gottes, stärkte und belebte ihre Gabe, die ihr von Geburt an gegeben war, Gott und den Menschen zu dienen. Einmal schenkte Maria einem Starzen, der im Dorf bettelte und so auch in das Haus der Skopitschews kam, ein Stück Speck. Ihrer Mutter Glykeria, die ihn auf der Schwelle des Hauses traf, sagte der Starez dann: „Ihre Nonne hat mir Speck gegeben.“ Mit diesen Worten sagte er das weitere Schicksal Marias voraus. Maria jedoch widersetzte sich zunächst solch einem Schicksal, glaubte nicht daran und willigte auch innerlich nicht ein. Viele tränenreiche Gebete wurden von Maria vor den Ikonen dargebracht, bevor sie sich entschied, sich den Reihen der Nonnen des Tschenkowo-Frauenklosters zu Ehren der Tichwiner Ikone der Muttergottes anzuschließen. Die Äbtissin des Tschenkowo-​​​​Klosters Polyxenia, die sich mit dem Mädchen traf, hatte Mitleid, als sie erkannte, was für ein schwieriges Leben ihr bestimmt war. „Maria kann in der realen Welt nicht ohne fremde Hilfe leben“, dachte die Mutter Äbtissin und lud sie häufig in ihr Kloster ein. Die Äbtissin begrüßte freudig Marias Entscheidung, Nonne zu werden. Am Tag des Festes der Verklärung des Herrn wurde Maria zur Nonne geweiht. Von diesem Moment an ordnete sie ihren ganzen Eifer und ihr ganzes Temperament dem Willen Gottes unter. Später wurde sie von Schi-Igumen Makarij, einem der letzten Optina-Starzen, der der geistliche Vater für die Schima-Nonne Manefa wurde, in das große Schima eingekleidet. Der Beter und Gott begnadete sahen das Schicksal der Nonne Manefa voraus. Vor seinem Tod segnete er den Schimapriestermönch Artemij (Pototsky), der geistliche Vater von Mutter Manefa zu sein, und sagte zu ihr: „Ich schicke dir einen jungen Priester.“

Im Kloster wurde Mutter Manefa, die sich stets im Gebet befand, durch die Gnade des Heiligen Geistes gestärkt. Jetzt war ihr ganzes Leben zu einem unaufhörlichen Gebet geworden. Sie kannte es nicht anders. Gebet in Verbindung mit Fasten stärkte den Geist. Ihre Seele, die die körperliche Schwäche des Körpers überwand, unterstützt durch die Gebete des geistigen Vaters, strebte nach Vollkommenheit. Der Große Vaterländische Krieg brach aus und besonders litt das einfache Volk unter den Verwüstungen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden vernichtet, zunichte gemacht. Wahrscheinlich zur Beruhigung der Menschen erlaubte die neue deutsche Regierung die Öffnung von Kirchen und Klöstern. Die Menschen beteten zu Gott mit einer einzigen Bitte: den Krieg siegreich zu beenden und ihre Angehörigen von der Front zurückkehren zu lassen.

Die Nonnen des Tschenkowo-​​​​Klosters kehrten in ihr Kloster zurück, doch Mutter Manefa, die das Kloster verlassen hatte, ließ sich in der Familie der gläubigen älteren Ehepaars Kisjows im Dorf Wischnjowka nieder. Die Gastgeber bemerkten, dass die junge Nonne viel Zeit dem Gebet und dem Lesen geistlicher Literatur widmet. Im Dorf gab es während der Kriegsjahre ein ungewöhnliches Ritual. Jedes Jahr am 24. September wurden eine „Kerze“ und eine Ikone von einem Haus zum anderen getragen. Die Menschen glaubten, dass diese “Prozession” ihren Männern und Söhnen, die an die Front waren, helfen wird und sie durch das Gebet vor dem Tod beschützte. Die Holzkerze wurde in Leinentücher gekleidet und feierlich in einer Prozession die Dorfstraße entlang getragen. Die Kerze vor der Ikone wurde immer von der Nonne Manefa gehalten, die man auf den Schultern trug. Gleichzeitig fragten sie sie unterwegs nach ihren Ehemännern, Söhnen, Vätern. Die Nonne sagte den Frauen das Schicksal ihrer Angehörigen voraus, schwieg jedoch manchmal aus Mitleid mit der Witwe über den Tod ihres Mannes.

Matuschka Manefa hatte Mitleid mit den Kranken und Leidenden. Die Menschen liebten Mutter Manefa und glaubten ihr. Aber am meisten bedauerte und liebte sie die Witwe Stepanida und Anna Mironenko. Stepanida hatte eine große Familie, und Mutter Manefa sagte aus Mitleid nicht die Wahrheit, dass ihr Mann gestorben war, aber zu Anna sagte sie oft: „Bete, bete für ihn (für ihren Mann).“ Annas Mann war in Belgien in Gefangenschaft, nach Kriegsende kehrte er zurück.

Bald musste die junge Nonne in ihr Elternhaus zurückkehren, in das Dorf Sewrjuki, in dem nach dem Tod ihrer Schwester der einzige Neffe Wasilij, der noch nicht wieder auf eigenen Beinen stand, unbeaufsichtigt war und ihre Hilfe brauchte, genauso wie sie seine. Jetzt gab es jemandem dem Mutter Manefa, ihre Seele ausschütten konnte, und sie konnte mit ihm reden, ihn streicheln, seine Einsamkeit teilen.

In den ersten Nachkriegsjahren gab es große Probleme mit der Versorgung mit Lebensmitteln.

Einmal passierte es Mutter Manefa, dass sie drei Tage lang nichts zu essen hatte, sie nahm nur gekochtes Wasser zu sich. Die junge Nonne dachte bereits, dass ihr Ende gekommen sei. Doch da eilte Anna Mironenko aus dem fernen Wischnjowka, nachdem sie Zwieback gemacht hatte, durch tiefe Schneewehen zu Mutter Manefa. Die Matuschka war berührt von solcher Aufmerksamkeit und aufrichtiger Freundlichkeit. Nachdem sie den Zwieback entgegengenommen hatte, sagte sie: „Von nun an fehlt niemals mehr Brot auf dem Tisch Deiner Kinder und Enkelkinder.“

In den Nachkriegsjahren fegte eine Repressionswelle mit zunehmender Wucht über das Land. Kirche und Klöster wurden von den Behörden nicht verschont. Das Tschenkow-Kloster existierte nicht mehr, es wurde aufgelöst. Aber die Gebete von Mutter Manefa halfen den Menschen immer noch, die große Freundlichkeit der Seele zog sie an, zog leidende Dorfbewohner und Menschen aus fernen Orten zu ihr. Viele haben es bemerkt: wie Mutter Manefa es sagt, so muss man handeln, wie sie segnet, so wird es sein. Wenn man von den Anweisungen des Mütterchen abwich, dann war es zum eigenen Nachteil.

Die Ratschläge der jungen Nonne waren einfach und effektiv. Aber in ihren Worten lag eine solche Kraft und Überzeugung, dass nur wenige Menschen an dem Rat von Mutter Manefa zweifelten. Trotz ihrer Jugend war Mutter Manefa ernst und lehrte die Menschen hauptsächlich, dass es besser ist, zu Lebzeiten die Vergebung der Sünden zu erhalten.

Die Nonne versuchte allen zu helfen. Durch ihren Scharfsinn wusste sie oft, wer und mit welchen Gedanken man zu ihr kam. Als großartige Beterin und Heilerin liebte Mutter Manefa die Menschen. Sie sprach einfach und ohne Unterschiede zu machen zu den Menschen, ohne die Stimme zu heben. Die Matuschka konnte Fremden etwas über das Innerste ihrer Seele erzählen. Von der Vergangenheit erzählen, die Zukunft voraussagen, ja sie konnte die besten Ratschläge geben. Die Gebete von Mutter Manefa heilten, gaben dem Lebensweg die richtige Richtung und brachten die Menschen dem orthodoxen Glauben näher.

Als Ausgleich für die Hilflosigkeit der Schima-Nonne Manefa schickte der Herr ihr Gleichgesinnte, im Geiste nahestehende Menschen, die sich um sie kümmerten und sie beschützten. Mit ihrer Hilfe wurde ein Garten angelegt, ein einfacher Haushalt geführt. Jeder hatte seinen eigenen Gehorsamsdienst: Nonne Anna las Gebete, Akafisti, den Psalter, half beim Empfang von Besuchern, ging zum Fluss, um Wäsche zu waschen. Nonne Photinia hat gekocht und das Haus sauber gehalten. Vater Artemij (Pototsky), der in der Stadt Dowsk diente und für den Glauben an Christus nach Sibirien verbannt wurde, stand in großer geistlicher Freundschaft mit Mutter Manefa. Vater Artemij schickte häufig Menschen, die geistliche Hilfe brauchten, zu Mutter Manefa.

Eines Tages im Januar 1984 bat Mutter Manefa, die bereits ziemlich krank war, darum, nach draußen gebracht zu werden, um etwas frische Luft zu schnappen. Plötzlich flogen von irgendwoher Vögel herbei und begannen so wunderbar zu singen. „Diese Vögel beten zum himmlischen Gott“, sagte Mutter Manefa voller Freude. Nachts erschien ihr Vater Artemij in einem Traum und sagte, dass sie genau in dem Moment, als die Vögel sangen, hätte sterben sollen. Alle, die Mutter Manefa in dieser Zeit nahestanden, kamen abwechselnd an ihr Bett und sie erteilte jedem ihr baldiges Ende spürend die letzten Ratschläge.

Als sich der Todesengel Mutter Manefa näherte, schienen ihre Augen beim Anblick all der Feinde, die sich ihr nun näherten, einen Moment lang vor Angst zu erstarren, aber dann beruhigte sie sich und entschlief friedlich am 25. Februar 1984.

Quelle: monasterium.by

 

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