Homilie zum Hochfest der Entschlafung unserer Allhl. Gottesgebärerin

28. August 2022

Ikone zum Fest der Entschlafung der Gottesmutter

Ikone zum Fest der Entschlafung der Gottesmutter

Hl. Johannes von Damaskus

Die Frau, die allen das Leben erblühen ließ, wie sollte sie dem Tod unterliegen? Aber sie beugt sich dem Gesetz des eigenen Kindes und als Tochter des alten Adam unterwirft sie sich den Satzungen der Vorfahren, da doch auch Ihr Sohn, das Leben selbst, sich ihnen nicht entzogen hat. Doch als Mutter des lebendigen Gottes wird sie in würdiger Weise zu Ihm hin versetzt. … Wenn Christus spricht: “Wo ich bin, da wird auch mein Diener sein” (Joh 12, 26), wie sollte nicht vor allem Seine Mutter bei Ihm ihre Wohnung haben? …

Der König kam Seiner Mutter entgegen und nahm mit göttlichen und reinen Händen ihre heilige, lautere und unbefleckte Seele auf. Und sie hat sicher gesagt: In Deine Hände, mein Kind, lege ich meinen Geist! Nimm von mir die teure Seele entgegen, die Du makellos bewahrt hast. Dir und nicht der Erde übergebe ich meinen Leib. Schütze und rette ihn. Nach Deinem Wohlgefallen hast Du in ihm Wohnung genommen und ihn bei der Geburt jungfräulich bewahrt. Verwandle mich, damit ich als Deine Hausgenossin dort bin, wo Du bist, die Frucht meines Leibes. Denn ich sehne mich nach Dir, der Du in Demut zu mir herabgestiegen bist. Meinen Kindern, die ich innig liebe und die Brüder zu nennen Dir gefiel, sei du ein Trost bei meinem Abschied. Häufe Segen über Segen auf sie durch die Auflegung unserer Hände!

Es war angemessen, dass die Frau, die das göttliche Wort in ihrem Schoß gastlich beherbergt hatte, in den Zelten ihres Sohnes eine Heimat finde. … Es war angemessen, dass der Leib der Frau, die beim Gebären ihre Jungfräulichkeit unverletzt bewahrt hatte, auch nach dem Tod unversehrt erhalten bliebe. Es war angemessen, dass die Frau, die den Schöpfer als Kind an der Brust getragen hatte, in den göttlichen Zelten ihre Bleibe habe. Es war angemessen, dass die Braut, die der Vater vermählt hatte, sich in dem himmlischen Brautgemach aufhalte. Es war angemessen, dass die Frau, welche ihren Sohn am Kreuz gesehen hatte und der das Schwert des Schmerzes, das sie bei der Geburt verschont hatte, ins Herz gedrungen war, auch sähe, wie Er beim Vater thront. Es war angemessen, dass die Mutter Gottes die Herrlichkeit ihres Sohnes erlangen und von der ganzen Schöpfung als Mutter Gottes und als Seine Magd verehrt werde.

Immer geht das Erbe von den Eltern auf die Kinder über. Jetzt aber fließen, wie es ein weiser Mensch ausgedrückt hat, die Quellen der heiligen Ströme nach oben. Denn der Sohn hat die ganze Schöpfung der Mutter dienstbar gemacht.

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