Ikone von Jerusalem

25. Oktober 2022

Ikone von Jerusalem

Die Mutter-Gottes-Ikone Jerusalimskaja wurde der Überlieferung nach im fünfzehnten Jahr nach der Himmelfahrt des Herrn vom heiligen Evangelisten Lukas in Gethsemane gemalt. In der Mitte des V. Jahrhunderts wurde sie von Jerusalem nach Konstantinopel gebracht. Im VII. Jahrhundert, nach der wunderbaren Befreiung von den Skythen, wurde sie in die Blachernenkirche übertragen. Ende des IX. Jahrhunderts wurde sie nach Cherson gebracht, und nach der Einnahme der Stadt durch den Fürsten Wladimir ließ dieser sie den Nowgorodern schicken, als jene das Christentum annahmen. Im Jahre 1571 wurde das Bildnis in die Mariä-Entschlafungs-Kathedrale in Moskau übertragen, nachdem Iwan der Schreckliche Nowgorod erobert hatte.

Als die Franzosen im Jahre 1812 Moskau besetzt hatten, raubten sie die Ikone und brachten sie nach Paris in die Kirche Notre-Dame de Paris. In der Mariä-Entschlafungs-Kathedrale in Moskau befindet sich jetzt eine Kopie aus dem XVII. Jahrhundert.

Das Fest der Jerusalimskaja wird am 25. (12.) Oktober begangen.

Stichera zu Ehren der Gottesmutter

Den ewigen Ratschluss dir enthüllend, o Braut, trat Gabriel vor dich hin. Und er grüßte dich, sagte: Freude dir, du unbesätes Land. Freude dir, du unverbrennbarer Dornbusch. Freude dir, schwer zu betrachtende Tiefe. Freude dir, Brücke, die führt zu den Himmeln, und hoch sich schwingende Leiter, die Jakob geschaut. Freude dir, heiliges Mannagefäß. Freude dir, Lösung des Fluches. Freude dir, du rufst Adam zurück. Mit dir ist der Herr.

Du erscheinst wie ein Mensch mir, so spricht die unversehrte Braut zum Herzog der Engel, und wie kündest du übermenschliche Worte? Denn du sprachst, mit mir werde Gott sein und in meinem Schoße werde er wohnen. Und wie, sag es mir, soll ich werden der weiträumige Raum und die geheiligte Stätte dem, der über den Cherubim thronet? Nicht betrüge durch Trug mich. Denn nicht kenne die Lust ich, nicht bin ich mit Umarmung vertraut. Wie denn soll einen Sohn ich gebären?

Wo Gott es will, steht still die Ordnung der Natur, spricht der Engel, wird, was Menschenkraft übersteiget, vollendet. Meinen Worten, die wahr sind, schenk Glauben, Allheilige du, Überreine. Sie aber sprach: Nach deinem Worte geschehe mir jetzt. Und ich werde den Körperlosen gebären, der Fleisch nahm aus mir, damit er, mächtig allein, emporführe den Menschen zur einstigen Würde durch die Einung mit ihm.

Das Mysterium von Urbeginn, heut wird es enthüllt. Und Gottes Sohn wird eines Menschen Kind, um, teilnehmend an unserer Blöße, uns mitzuteilen seine Größe. Einst ward Adam betört. Obwohl er‘s begehrte, ward er nicht Gott. Gott wird Mensch, daß er Adam mache zum Gott. Frohlocken soll die Schöpfung, die Natur soll tanzen im Chor, weil der Erzengel in Scheu erscheint vor der Jungfrau und ihr das „Freude dir“ bringt, das aufhebt die Trauer. Der du aus innerstem Mitleid, unser Gott, im Menschenkleid erschienen, Ehre sei dir.

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