Johannes von Damaskus

25. August 2021

1. Predigt auf die Entschlafung Mariens

(Kap. 9 – 14)

Die Allheilige Gottesgebaererin

Die Allheilige Gottesgebärerin – Ein Segen für die Welt

Als du, Maria heute zu deinem Sohne hinüber gewandert bist, umringten dich die Engel und die Seelen der Gerechten, der Patriarchen und Propheten; dein Ehrengeleit waren die Apostel. … Denn du bist die Quelle für den Leib des Herrn, der der Ursprung des Lebens ist. Wie doch die Quelle des Lebens durch den Tod hindurch zum Leben hinüber geleitet wird! Wie doch die Frau, welche beim Gebären die Schranken der Natur überwand, sich nun den Gesetzen der Natur beugt und der unbefleckte Leib sich dem Tod unterwirft! Denn man muss das Sterbliche ablegen, um die Unsterblichkeit anzuziehen (1 Kor 15,53), da auch der Herr der Natur sich nicht weigerte, den Tod zu bestehen. Denn Er stirbt im Fleisch und durch den Tod hebt Er den Tod auf. Durch Seinen Untergang schenkt Er Unvergänglichkeit und Sein Sterben macht Er zum Quell der Unsterblichkeit. Wie nimmt doch der Schöpfer aller Dinge die heilige Seele, da sie sich von dem Zelt löst, in dem Gott gewohnt hat, mit eigenen Händen auf! Er ehrt, wie das Gesetz es fordert, jene Frau, die von Natur aus Seine Magd ist, die Er sich aber dank der unauslotbaren Tiefe Seiner Menschenfreundlichkeit, wie es die Heilsabsicht verlangt, zur Mutter erwählt hat. …

Der König hat dich in Sein Gemach geführt, wo Gewalten dir als Leibwache dienen, Fürstentümer dich preisen, Throne dich feiern, die Cherubim in Freuden jauchzen, die Seraphim dich wahrhaft verherrlichen, da du von Natur aus und auf Grund der wahren Heilsordnung zur Mutter Ihres Herrn erhoben wurdest. Nicht wie Elija bist du in den Himmel eingegangen, nicht wie Paulus bist du bis in den dritten Himmel entrückt worden; du bist vielmehr selbst bis vor den Königsthron deines Sohnes getreten. Mit eigenen Augen schaust du Ihn nun und freust dich und stehst da in großer, unbeschreiblicher Hoheit. Du bist für die Engel und alle überweltlichen Mächte eine unsagbare Wonne, für die Patriarchen ein endloser Jubel, für die Gerechten eine unaussprechliche Freude, für die Propheten ein unaufhörliches Frohlocken, ein Segen für die Welt, eine Heiligung des Alls, Erquickung für die Ermatteten, Tröstung für die Trauernden, Heilung für die Kranken, Hafen für die Gefährdeten, Verzeihung für die Sünder, aufmunternder Zuspruch für die Betrübten, rechte Hilfe für alle Bittenden. …

Auch wir wollen heute zu dir eilen, Herrin; ich sage nochmals: Herrin, unvermählte Gottesgebärerin! Unsere Seelen wollen wir hoffnungsvoll an dich wie an einen starken, unzerstörbaren Anker ketten. Geist, Seele und Leib, uns selbst mit allem, was wir haben, wollen wir dir anvertrauen und mit Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern nach Kräften dich verherrlichen; denn nach Gebühr vermögen wir es nicht. …

Du aber schau gütig auf uns herab, gute Herrin, Gebärerin des guten Herrn. Lenke und Leite unsere Geschicke, wohin du willst. Die Wogen unserer bösen Leidenschaften stille und geleite uns in den ruhigen Hafen des göttlichen Willens. Mache uns würdig der künftigen Seligkeit, die darin besteht, dass das göttliche Wort, das aus dir Fleisch angenommen hat, uns liebevoll von Angesicht zu Angesicht anschaut.

(PG 96, 713 C – 721 B)

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