Lebensbeschreibung des Heiligen Nikolaus (Teil 2)

14. Dezember 2021

Vitaikone des Heiligen Nikolaus

Vitaikone des Heiligen Nikolaus

Leben, Wirken und Erzählung einiger Wundertaten unseres Heiligen unter den Vätern, Nikolaus, des Erzbischofs von Myra in Lykien

Hilfe für drei Mädchen

In der Nachbarschaft des Heiligen Nikolaus lebte ein Mann von vornehmer Herkunft, der bis vor kurzem noch angesehen war. Doch durch die List Satans fiel er in große Armut und wurde ins äußerste Unglück gestoßen. Dieser Mann hatte drei Töchter, die er in ein Freudenhaus geben wollte, um so den Lebensunterhalt für die Familie zu beschaffen. Weil sie arm waren, wollte kein Mann der Stadt sie zur Frau nehmen. Trotz seiner Tag und Nacht vorgetragenen Gebete und seines Vertrauens auf Gott sah er keinen anderen Ausweg und entschloß sich dazu, seine Mädchen dieser tiefen Schande auszuliefern.

Doch der menschenfreundliche Herr, der niemals will, dass auch nur eines seiner Geschöpfe der Sünde preisgegeben werde, sandte ihm seinen guten Engel, den heiligen Nikolaus. Er rettete sie durch sein eigenes Vermögen, dass er ihnen zukommen ließ und sie so reichlich ausstattete. Nikolaus bewahrte ihn davor, sich schämen zu müssen. Zugleich war er bemüht, seine Großzügigkeit nicht bekannt zu machen. Er warf bei Nacht einen Beutel mit Geld durch das fenster in des Nachbars Haus, und eilte dann schnell weg.

Als der Beschenkte bei Tagesanbruch das Geld fand, vergoß er unaufhaltsam Tränen der Freude. Staunend sagte er Gott Dank. Er überlegte bei sich, von wem er ein solches Geschenk bekommen habe. Diese Mitgift hatte ihnen gleichsam Gott besorgt. Der Vater der Mädchen nahm sie an und rechnete aus, daß diese unverhoffte Gabe als Aussteuer ausreiche. Unverzüglich ließ er für seine älteste Tochter das Hochzeitsfest ausrichten. Dank der Vermittlung des heiligen Nikolaus vermählte er sie und verschaffte ihr ein geachtetes Leben in Frohsinn und Freude.

Als Nikolaus, der Mann Gottes und großherzige Wohltäter, davon hörte und sah, dass seine Wohltat einen guten und heilsamen Zweck erreicht hatte, warf er wie zuvor für das Hochzeitsfest des nächsten Mädchens einen zweiten Beutel Geld gleicher Art vor Tagesanbruch durch dasselbe Fenster und eilte geschwind nach Hause.

Als der arme Nachbar am frühen Morgen unerwartet das Geschenk fand, sank er unter Dankestränen auf die Erde. Durch diese Wohltat war seine Seele bis ins Tiefste erschüttert. Er bat nun Gott darum, ihm zu zeigen, wer es war, der mit Gottes reicher und unermeßlicher Güte ihm und anderen unbedeutenden Menschen dient.

Der Vater nutzte nun die ihm von Gott durch seinen Diener Nikolaus geschenkten Gaben mit Bedacht und Verstand. Er verheiratete seine zweite Tochter wie die erste. Dann wachte er in den folgenden Nächten und passte sorgfältig auf. Nikolaus nahte sich bei tiefer Nacht dem Haus des Nachbarn und warf durch das Lichtloch ein Geldgeschenk von gleicher Höhe wie die früheren als Brautausstattung für die dritte Tochter hinab. Dann zog er sich heimlich von dort zurück.

Als der Nachbar durch das herabfallende Geld seine Anwesenheit bemerkte, lief er dem Heiligen nach und holte ihn ein. Er warf sich schluchzend zu seinen Füßen nieder. Innig dankte er ihm mit vielen Worten. Nikolaus richtete den Mann von der Erde auf und verpflichtete ihm, niemandem zu verraten, dass er ihm geholfen habe. Dann ließ Nikolaus den Mann in Frieden gehen.

Welch herzliche Güte des heiligen Mannes zu den Notleidenden!

Er bekundet die Fürsorge seiner bis ins innerste Wesen hinein guten Seele, ein sichtbares Abbild der herzlichen Güte des Erlösers Christus zu uns. Er zeigte vor aller Augen, dass er die Klugheit eines Hirten besaß. Er war geeignet für das bischöfliche Amt.

Des Bischofsamtes würdig

Als zu jener Zeit der Vorsteher der heiligen Kirche Gottes in Myra zum Herrn heimgegangen war, suchten die Verantwortlichen der Kirche einen Nachfolger für das Bischofsamt.  Die anwesenden Bischöfe und Priester verharrten einmütig im Gebet und einem unter ihnen wurde geoffenbart, auf welche Weise der neue Bischof erwählt werden sollte. Er sollte sich bei Nacht an die Tür des Vorraums stellen. Wer als erster die Kirche betritt, den sollt ihr festhalten und zum Bischof weihen. In früher Morgenstunde kam der heilige Nikolaus in die Kirche zum Gebet. Der Bischof, der an der Tür gewartet hatte, fasste ihn an der Hand und fragte ihn: “Wer bist du?” Bescheiden und ruhig antwortete er: “Der Sünder Nikolaus, der Diener deiner Heiligkeit, mein Bischof.”Das hörte der Bischof und war betroffen von der Demut des Gerechten. Die anwesenden Bischöfe und Priester führten ihn die Mitte der Kirche und stellten dem hereinströmenten Volk den neuen Hirten der Stadt Myra vor. Voll Freude  vertrauten die versammelten Einwohner den Erklärungen und dem Zeugnis der Bischöfe, ließen Nikolaus, den Bischofsstuhl einnehmen.

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