
Im Laufe des Kirchenjahres gibt es einzelne Fastentage, aber auch ganze Fastenzeiten, die mehrere Wochen dauern können. An diesen Tagen verzichten wir auf Fleisch und alle Milchprodukte sowie Eier. Außerdem verzichten wir auf einige andere körperliche Befriedigungen und Vergnügungen, um mehr Zeit dem Gebet, dem Glaubensstudium und den guten Werken der Nächstenliebe zu widmen.

Aber wozu brauchen wir das Fasten?
Erstens: Es ist ein Zeichen unserer Liebe zu Gott, denn, wenn wir um Seinetwillen fasten, dann zeigen wir, dass Er für uns wichtiger ist als alle Vergnügen des irdischen Lebens.
Zweitens: Wir fasten, um ein wenig unserem Herrn Jesus Christus ähnlich zu werden, Der nach Seiner Taufe vierzig Tage in der Wüste gefastet hat und in dieser Zeit keine Nahrung zu sich genommen hat. Ein wahrer Christ bemüht sich, in seinem Leben so aufzutreten wie Christus und Seine Heiligen.
Drittens: Wir fasten, weil wir damit unsere Seele und unseren Körper stärken, die durch die Enthaltsamkeit lernen, unabhängig von niederen Wünschen zu sein. Die Heiligen, die viel gefastet und gebetet haben, wurden so stark im Glauben, dass sie nicht nur von sich selbst die Dämonen fernhalten konnten, sondern auch andere Menschen schützten und sie von bösen Geistern befreiten. Überhaupt kann man sagen, dass ein vom Fasten gereinigter Körper der Seele das Beten erleichtert.
Viertens: Durch die vorangehenden Fastenzeiten bereiten wir uns intensiver auf die wichtigsten kirchlichen Festtage vor. Die Kirche schenkt uns Zeit und Möglichkeit, durch ein bewußtes Annähern an die großen Mysterien des Glaubens, deren Sinn immer besser zu verstehen und so im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung zu wachsen.

Die Kirche schaut mit Nachsicht auf ihre Gläubigen und befreit einige vom Fasten, zum Beispiel kleine Kinder, schwerkranke und ältere Menschen oder wenn es unmöglich ist, Fastenspeisen zuzubereiten. Außerdem bemühen sich die Gläubigen in diesen Fastenzeiten besonders um gute Werke, wobei die Gabe von Almosen einen besonderen Platz einnehmen.