
Der Mönch Kronios lebte in Ägypten. Er gehört zu den großen Asketen, den gütigen Altvätern und er war in seinem Äußeren außergewöhnlich schön. Doch wenn er in die Kirche ging, trug Kronios ein altes, verschlissenes, enges und mit Flicken besetztes Kleidungsstück.
Als dies eines Tages Starez Josef sah, fragte er ihn: “Bruder, siehst du nicht, dass die übrigen Brüder wie Engel in neuen und sauberen Kleidern in der Kirche beim Gottesdienst stehen? Warum kommst nur du immer in ein und demselben groben, alten Kleidungsstück in die Kirche?”
Der Bruder antwortete ihm: “Verzeih mir Josef! Ich habe nur nichts anderes. Das ist das Letzte, was ich an Kleidung besitze.” Da erbarmte sich Josef über den Altvater und rief ihn in sein Kellion. Dort gab er ihm neue Kleidung für den Gottesdienst und alles, was Kronios sonst gebrauchen konnte. Wenn jetzt der Starez in die Kirche ging, sah er ebenfalls wie ein Engel aus in seiner neuen Kleidung.

Eines Tages sollten die Väter zehn ihrer Brüder zum Kaiser schicken wegen einer sehr wichtigen Angelegenheit. Zusammen mit anderen wurde auch Vater Kronios ausgewählt. Als er davon erfuhr, fiel er vor den Vätern auf die Knie und bat: Verzeiht mir, um des Herrn willen. Ich bin der Sklave eines hochrangigen Zollbeamten. Wenn er mich erkennt, wird er mich zwingen, das Mönchtum aufzugeben und mich gewaltsam in seinen Dienst zurückholen." Die Väter glaubten ihm und ließen ihn vor Ort. Bald darauf erzählt ein Mann, der Kronios sehr gut kannte, dass dieser Starez einst der Herrscher über dieses Gebiet war. Und noch dazu der beste und großherzigste Herrscher. Er wurde vom Volk geliebt, gelobt und gepriesen, tagein tagaus. Kronios verbarg dies vor den Vätern, um in dieser Stadt nicht erkannt zu werden, wohin sie ihn schickten. Er wollte nicht von den Menschen und ihren Fragen beunruhigt werden. Denn das Volk würde wieder wollen, dass er Herrscher wird, doch er hatte sich bereits für das Mönchtum entschieden und allem Reichtum der Welt entsagt.
So sehr also bemühten sich die Väter dem Ruhm und den Vergnügungen der Welt zu entkommen! Der Herr ruft auch uns auf, dass wir nicht uns selbst loben sollen, uns nicht vor den anderen Menschen hervortun sollen, sondern wir sollten uns demütigen und lieber unerkannt leben sollten.