Teestunde mit Klostermaus Lisa Teil 74

25 Juni 2026

Klostermaus Lisa

Wie wir nach dem Willen Gottes leben können

Du hast bereits eine Menge darüber erfahren, als du über die Heiligen gelesen hast, über das Gebet, Almosen, Fasten, Beichte und Kommunion. Jetzt wollen wir noch über jene guten Taten sprechen, die du tun kannst, um den Willen Gottes zu erfüllen.

Rechtfertige dich nicht, wenn du etwas Böses getan hast. Betrüge niemanden und heische nicht nach Anerkennung. Denke nicht, dass du besser als alle anderen bist. Iss nicht über die Maßen. Vergiss nicht, den Menschen und Gott “Danke” zu sagen. Liebe eine Sache nicht mehr als einen Menschen. Lass keine schlechten Gefühle in dein Herz. Je reiner dein Herz ist, desto besser wirst du Gott erkennen.

Sei freundlich zu den Menschen. Tröste jenen, dem es schlecht geht. Teile mit einem Bedürftigen. Besuche einen Kranken. Verteidige den Schwachen, auch wenn du selbst Schaden erleidest. Streite nicht wegen Nichtigkeiten. Bete für jene, die dich beleidigen. Hilf anderen, sei nicht faul. Sei deinen Eltern und deinem geistlichen Vater gegenüber Gehorsam. Wenn man dich auffordert zu sündigen, dann willige nicht ein, was es auch sei, denn man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Schäme dich nicht vor anderen Menschen wegen deines Glaubens. Freue dich, wenn man dich um der Wahrheit willen oder weil du Christ bist hasst. Dadurch näherst du dich den Heiligen an und wirst von Gott ausgezeichnet. Denke an Gott und gib niemals im Kampf gegen die Sünde auf.

Tugend

Es geht nicht darum, einmal etwas Gutes zu tun, und das war´s. Einzelne gute Taten gibt es bei allen Menschen, selbst bei den Bösartigsten. Der Christ aber soll lernen ständig Gutes zu tun, damit dies eine gute Gewohnheit wird. Dies nennt man dann “Tugend”. Er beginnt mehr und mehr Tugenden in sich auszubilden. Auf diese Art wird er wahrhaft ein “guter Mensch”.

Christen erhalten im Mysterium der Beichte die Vergebung ihrer Sünden, aber manchmal fällt der Christ nach der Beichte wieder in dieselbe Sünde. Warum? Weil die Sünde schon zu einer dummen Angewohnheit geworden ist. Eine vollständige Reinigung des Lebens von dieser Gewohnheit erreichen wir nur, wenn wir das Übel an der Wurzel packen, es ausreissen und die entgegengesetzte Tugend an dieser Stelle einpflanzen.

Damit wir in den Tugenden gefestigt werden, müssen wir alle unsere guten Taten um Christi willen tun. So können wir zum Beispiel, denen, die uns hassen und beleidigen, nichts weiter erwidern, aber im Stillen beten wir: “Ich vergebe dir um Christi willen, wie Er mir meine Sünden vergeben hat.” Wenn wir sehen, dass jemand etwas braucht oder sogar darum bittet, unsere Gier aber nicht zulässt, dass wir es ihm geben, dann sollten wir uns überwinden mit dem Gedanken: “Ich gebe es um Christi willen, dir mir alles gab, was ich besitze.” Wenn wir schon gegessen haben, aber der Magen mehr und mehr fordert, dann halte ein, steh vom Tisch auf und sage dir: “Ich halte mich zurück, um Christi willen.” In diesem Geist muss man alle seine guten Taten, große und kleine, vollbringen. Sie werden uns nützen, in diesem und im kommenden Leben.

Jeder, der bereits einmal selbstlos Gutes getan hat, weiß, wie leicht es danach in der Seele war, auch wenn niemand davon erfahren hat. Aber wenn man nur Gutes tut, um gelobt zu werden, Geld zu verdienen oder weil man genötigt war, dann ist das nichts Gutes und Nutzen zieht man daraus nicht.

Um erfolgreich Tugenden zu erwerben, ist es gut, sich mit anderen zu beraten, die diesen Weg bereits gegangen sind. Deshalb versuchen Christen einen erfahrenen und guten Führer zu finden, den wir geistlichen Vater nennen. Üblicherweise ist dies ein Gemeindepfarrer oder Priestermönch, der sein Leben ganz Gott geweiht hat.

Es kann sein, dir scheint es vielleicht so, dass all dies zu erfüllen sehr schwer ist, doch im geistlichen Leben entwickelt sich alles schrittweise. Beginne mit kleinen guten Taten und Gott schenkt dir mit der Zeit große. Auch wenn es noch so schwerfällt, das Gebot zu erfüllen, bedenke stets, dass der Herr immer bei dir ist. Bitte um seine Hilfe und Er wird dich stützen.

Bemuhungen

Du hast sicher schon gehört, dass der teuerste und schönste aller Edelsteine der Brillant ist. Er wird aus einem Diamant hergestellt, der beim Auffinden gar nicht so schön aussieht. Um den Diamant in einen Brillant zu verwandeln, bedarf es einer Reihe von Arbeitsschritten des Reinigens und des Schleifens. Doch am Ende leuchtet, brilliert ein wunderbarer Stein. So ist es mit der Seele des Christen. Es bedarf einer Menge Mühen, um sie auf die Heiligkeit vorzubereiten.

Doch je eher du beginnst, auf dem Weg der Heiligung voranzustreiten, desto leichter fällt es dir, auf ihm zu gehen. Doch auch ein Mensch, der sein Leben lang in der Sünde gelebt hat, kann umkehren, bereuen und erlöst werden.

Erwarte nicht, dass das geistliche Leben leicht wird. Sportler müssen sich enorm anstrengen und ihren Körper quälen, bis er schmerzt, um große Siege zu erringen. So haben sich auch die Heiligen sehr abgemüht, um die Sünde zu besiegen, damit die Seele als Sieger bei Gott in Ewigkeit verweilen kann. Und es lohnt sich.

Denn dies ist das Allerbeste, was mit dir geschehen kann. Darin liegt der Sinn des Lebens des Menschen. Gott hat uns geschaffen, damit wir heilig werden.

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