Hl. Athanasios der Große: Über die Menschwerdung des Wortes Gottes (8)

25. Januar 2023

Hl. Athanasios der Große

DER UNGLAUBE DER JUDEN UND DER SPOTT DER HEIDEN

Da dem so ist, und der Beweis für die Auferstehung des Leibes und den Sieg des Heilandes über den Tod klar vor uns liegt, wohlan, so wollen wir auch dem Unglauben der Juden und dem Spott der Heiden die Antwort geben. Denn hierin treffen die Juden mit ihrem Unglauben und die Heiden mit ihrem Spott zusammen, daß sie an der Schmach des Kreuzes und der Menschwerdung des Logos Gottes ihren Spott auslassen. Doch unsere Untersuchung wird weder den einen noch den anderen scheu ausweichen, zumal ja offensichtliche Beweise wider sie zu Gebote stehen.

Die ungläubigen Juden finden ihre Widerlegung in den Schriften, die sie selber lesen. Erhebt doch die ganze von Gott inspirierte Schrift von vorne bis hinten ihre Stimme laut dafür, wie auch die Einzelworte selbst ganz klar sind. So kündigten schon in alten Zeiten die Propheten das Wunder von der Jungfrau und ihrer Geburt an in den Worten: „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und man wird seinen Namen Emmanuel, d.h. Gott mit uns nennen“. Auch Moses, der wirklich große Mann, der auch ihnen Autorität für die Wahrheit ist, hat das Wort über die Menschwerdung des Heilandes grandios gefunden und die erkannte Wahrheit in den Worten niedergelegt: „Aufgehen wird ein Stern aus Jakob und ein Mann aus Israel und zerschmettern wird er den Fürsten Moabs“. Und wieder: „Wie schön sind deine Wohnungen, Jakob, deine Zelte, Israel, wie schattige Täler und wie Gärten an Strömen, und wie Zelte, die der Herr aufgeschlagen hat, wie Zedern Und wieder sagt Isaias: „Ehe das Knäblein Vater- oder Mutternamen nennen kann, wird es die Stärke von Damaskus nehmen und die Beute von Samaria vor dem Angesichte des Königs der Assyrer“. Daß also ein Mensch erscheinen werde, wird damit angekündigt. Und daß der, der kommen soll, Herr der Welt ist, geben wieder folgende Worte zum voraus zu verstehen: „Siehe, der Herr thront auf einer lichten Wolke, und er wird nach Ägypten kommen, und erbeben werden die von Menschenhand erschaffenen Gebilde Ägyptens“. Von da ruft ihn auch der Vater zurück, wenn er sagt: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“.

Wo fände sich denn je unter den in den göttlichen Schriften genannten Gerechten, heiligen Propheten und Patriarchen der Mann, der sein leibliches Leben bloß aus einer Jungfrau erhalten hätte? Oder wo wäre ein Weib gewesen, die auch ohne einen Mann Menschen das Dasein hätte geben können?

Hatte nicht ein jeder einen Vater zum Urheber seiner Geburt? Wer ist nun aus einer Jungfrau allein geboren worden? Dem Propheten lag ja sehr viel daran, diesen Umstand anzuführen. Wessen Geburt ging ein Stern am Himmel voraus und verkündete den Neugeborenen dem Erdkreis? Moses wurde ja bei seiner Geburt von den Eltern versteckt. Von der Geburt Davids bekamen nicht einmal die Nachbarn zu hören, kannte ihn ja doch nicht einmal der große Samuel, mußte er vielmehr erst fragen, ob Isai noch einen weiteren Sohn habe. Auch Abraham wurde, erst groß geworden, seiner Umgebung bekannt. Für die Geburt Christi aber ward nicht ein Mensch Zeuge, sondern ein leuchtender Stern stand am Himmel, von wo er auch herniedergestiegen war.

Ja fürwahr, kein anderer läßt sich ausfindig machen in den Schriften als der gemeinsame Heiland aller, Gott der Logos, unser Herr Jesus Christus. Er ist es ja, der aus einer Jungfrau hervorgegangen und als Mensch auf Erden erschienen ist, und dessen fleischliche Geburt sich nicht verfolgen läßt. Niemand kann nämlich seinen leiblichen Vater nennen, da sein Leib nicht von einem Mann, sondern nur von einer Jungfrau stammt. So also, wie man ein Stammregister von David, Moses und all den Patriarchen aufstellen kann, läßt sich die fleischliche Abstammung des Heilands aus einem Mann nicht verfolgen. Er ist es auch, der die Geburt seines Leibes durch einen Stern anzeigen ließ. Es mußte doch der Logos, der vom Himmel herabkam, auch vom Himmel her ein Zeichen geben; es mußte der König in dem Augenblick, da er hervortrat, von der ganzen Schöpfung deutlich erkannt werden. Gewiß ward er in Judäa geboren, und aus Persien kamen sie, um ihn anzubeten. Er ist es, der auch schon vor seiner Erscheinung im Leibe den Sieg über seine Widersacher, die Dämonen, errang und über den Götzendienst triumphierte. So schwören denn auch überall alle Völker der Vätersitte und der Gottlosigkeit des Götzendienstes ab und setzen nunmehr ihre Hoffnung auf Christus und verschreiben sich ihm, wie man solches mit eigenen Augen sehen kann. Denn erst damals hat die Gottlosigkeit der Ägypter ein Ende genommen, als der Herr aller Dinge wie auf einer Wolke schwebend im Leibe dorthin kam, den Götzenwahn aufhob und alle zu sich und durch sich zum Vater bekehrte. Er ist es, der gekreuzigt worden im Angesichte der Sonne, der Schöpfung und derer, die an ihm das Todesurteil vollstreckten. Und durch seinen Tod ist für alle das Heil gekommen und ist die ganze Natur erlöst worden. Er ist das Leben aller, der wie ein Schaf zum Heile aller seinen Leib als Entgelt dem Tode überantwortete, mögen auch die Juden es nicht glauben.

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