
Wir glauben also an den einen Gott, den einen Urgrund, der anfangslos, ungeschaffen, ungezeugt, unvergänglich und unsterblich, ewig, unendlich, unumschränkt, unbegrenzt, unendlich mächtig, einfach, nicht zusammengesetzt, unkörperlich, leidenschaftslos, unwandelbar, unveränderlich, unsichtbar, Quelle der Güte und Gerechtigkeit, geistiges Licht, unzugänglich ist. Wir glauben an eine Macht, die durch kein Maß erkannt wird, die nur durch den eigenen Willen gemessen wird. Denn sie kann alles, was sie will. Sie erschafft alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge, erhält und bewahrt alles, sorgt für alles, behauptet und beherrscht und regiert alles in unendlicher, unvergänglicher Herrschaft, hat keinen Gegensatz, sie erfüllt alles, ist von nichts umschlossen, umschließt vielmehr selbst alles, hält es zusammen und überragt es, durchdringt alle Wesenheiten, ohne befleckt zu werden, steht über allem, ist über jede Wesenheit erhaben, darum überwesentlich, allüberragend, übergöttlich, übergut, übervollkommen. Sie setzt alle Anfänge und Ordnungen fest, ist über jeden Anfang und jede Ordnung erhaben, steht über Wesenheit und Leben und Wort und Gedanken. Sie ist Selbst-Licht, Selbst-Güte, Selbst-Leben, Selbst-Wesen. Denn sie hat weder das Sein noch sonst etwas von einem anderen, sie ist vielmehr selbst Quelle des Seins fürs Seiende, des Lebens fürs Lebende, der Vernunft fürs Vernünftige, und für alles die Ursache aller Güter. Sie weiß alles, ehe es geschieht. Wir glauben an eine Wesenheit, eine Gottheit, eine Kraft, einen Willen, eine Wirksamkeit, ein Prinzip, eine Macht, eine Herrschaft, eine Regierung. Sie wird in drei vollkommenen Hypostasen (Personen) erkannt, genießt aber nur eine Anbetung, sie wird geglaubt und verehrt von jedem vernünftigen Geschöpf. Sie (= die Hypostasen) sind ohne Vermischung vereint und ohne Trennung unterschieden, was geradezu unglaublich scheint. Wir glauben an den Vater, den Sohn und den Hl. Geist, auf die wir auch getauft sind. Denn so hat der Herr seinen Aposteln befohlen zu taufen, als er sagte: „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes .“
Wir glauben an den einen Vater, der das Prinzip und die Ursache von allem ist. Er ist aus niemandem gezeugt, er allein existiert ohne jeden Ursprung und ist ungezeugt. Er ist der Schöpfer aller Dinge. Kraft der Natur ist der Vater seines einen, alleinigen, eingeborenen Sohnes, unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus, und der Hervorbringer des Heiligen Geistes. Und wir glauben an den einen Sohn Gottes, den Eingeborenen“, unseren Herrn Jesus Christus, „der aus dem Vater gezeugt ist vor aller Zeit, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch den alles erschaffen ist.“ Mit den Worten „vor aller Zeit“ zeigen wir an, daß seine Zeugung zeit- und anfangslos ist. Denn der Sohn Gottes ward nicht aus dem Nichtsein ins Sein hervorgebracht, er, „der Abglanz der Herrlichkeit, der Abdruck des Wesens des Vaters“, die lebendige „Weisheit und Kraft “, das Wort, das in sich selbst besteht, das wesenhafte, vollkommene und lebendige „Abbild des unsichtbaren Gottes “, nein, immer war er mit dem Vater und in Ihm, ewig und anfangslos aus Ihm gezeugt. Denn es gab nie eine Zeit, da der Vater war, als der Sohn nicht war, sondern mit dem Vater war zu gleicher Zeit der Sohn, der aus Ihm gezeugt ist. Denn ohne Sohn könnte er (Gott) nicht Vater heißen. War er einmal ohne Sohn, dann war er nicht Vater. Und hat er später einen Sohn bekommen, so ist er später Vater geworden, während er vorher nicht Vater gewesen ist, und er hat sich geändert, aus dem Nicht-Vatersein ist er zum Vatersein gekommen. Allein das wäre schlimmer als jede Lästerung. Denn man kann nicht sagen, Gott entbehre der natürlichen Fruchtbarkeit. Die Fruchtbarkeit besteht nämlich darin, dass er aus Ihm, d. h. aus seinem eigenen Wesen, etwas erzeugt, das Ihm der Natur nach gleich ist.
Was also die Zeugung des Sohnes betrifft, so ist es gottlos, wenn man von einer Zwischenzeit spricht und den Sohn nach dem Vater geschaffen sein lässt. Denn aus Ihm, d. h. aus der Natur des Vaters, so sagen wir, erfolgte die Zeugung des Sohnes. Geben wir nicht zu, dass von Anfang an mit dem Vater zugleich der aus ihm gezeugte Sohn existiert, dann tragen wir eine Veränderung in die Hypostase (Person) des Vaters hinein. Denn dann ist sie später Vater geworden, während sie es zuerst nicht war. Die Schöpfung ist ja allerdings später entstanden, allein nicht aus der Wesenheit des Vaters, sie ward vielmehr durch seine Kraft und seinen Willen aus dem Nichtsein ins Sein hervorgebracht. Darum hat die Natur Gottes keine Änderung erfahren. Zeugung ist nämlich das Hervorgehen aus der Wesenheit des Zeugenden, so dass das Erzeugte [ihm] wesensgleich ist. Schöpfung aber und Erschaffung ist das Werden von außen her und nicht [das Werden] aus der Wesenheit des Erschaffenden und Bildenden, so dass das Geschaffene und Gebildete [ihm] vollständig ungleich ist.

Bei dem allein leidenschaftslosen, unwandelbaren, unveränderlichen, sich immer gleich bleibenden Gott also geschieht das Zeugen wie das Schaffen ohne Leidenschaft. Denn da er von Natur aus leidenschaftslos und ohne Fluß ist, weil einfach und nicht zusammengesetzt, kann er weder beim Zeugen noch beim Schaffen einer Leidenschaft oder einem Fluß unterworfen sein, auch bedarf er keiner Mitwirkung. Im Gegenteil. Denn die Zeugung ist anfanglos und ewig, weil sie ein Werk der Natur ist und aus seiner (═ Gottes) Wesenheit hervorgeht, so daß der Zeugende keine Veränderung erleidet, und es nicht einen früheren Gott und einen späteren Gott gibt, und er einen Zuwachs bekommt. Die Schöpfung bei Gott aber ist, weil sie ein Werk seines Willens ist, nicht gleich ewig wie Gott. Denn das, was aus dem Nichtsein ins Sein hervorgebracht wird, kann nicht gleich ewig sein mit dem, was ohne Anfang und immer ist. Mensch und Gott schaffen also nicht auf gleiche Weise. Der Mensch bringt nicht etwas aus dem Nichtsein ins Sein hervor, sondern was er schafft, schafft er aus einem vorher vorhandenen Stoff, und er will nicht bloß, sondern er überlegt auch zuvor und macht sich im Geiste ein Bild von dem, was werden soll, sodann arbeitet er auch mit den Händen und erträgt Mühsal und Anstrengung, oft verfehlt er aber auch das Ziel, sein Bemühen hat nicht den gewünschten Erfolg. Gott jedoch bringt durch bloßes Wollen alles aus dem Nichtsein ins Sein hervor. Ebenso zeugen Gott und Mensch auch nicht auf gleiche Weise. Denn Gott, der zeitlos, anfangslos, leidenschaftslos, ohne Fluss, unkörperlich, einzig und endlos ist, zeugt zeitlos, anfangslos, leidenschaftslos, ohne Fluss und Paarung. Seine unfassbare Zeugung hat keinen Anfang und kein Ende. Anfangslos [zeugt] er wegen seiner Unveränderlichkeit; ohne Fluß wegen seiner Leidenschaftslosigkeit und Unkörperlichkeit; ohne Paarung, wiederum weil er unkörperlich und der einzige und alleinige Gott ist, der keines anderen bedarf; endlos aber und unaufhörlich wegen der Anfangs-, Zeit- und Endlosigkeit und des immerwährenden Gleichseins. Denn was keinen Anfang hat, hat kein Ende. Was aber durch Gnade ohne Ende ist, ist sicherlich nicht ohne Anfang, wie z. B. die Engel.
Anfang- und endlos also zeugt der immerseiende Gott sein vollkommenes Wort. Denn sonst würde Gott in der Zeit zeugen, er, der eine über die Zeit erhabene Natur und Existenz besitzt. Der Mensch aber zeugt offenbar gerade auf entgegengesetzte Weise, weil er dem Entstehen und Vergehen, dem Fluß und der Vervielfältigung unterliegt und mit einem Körper umhüllt ist und das Männliche und das Weibliche in seiner Natur besitzt (zweigeschlechtig ist). Denn es bedarf das Männliche der Hilfe des Weiblichen. — Nun denn, so möge gnädig sein der, der über alles erhaben ist und alles Denken und Begreifen übersteigt.