Von der Heiligen Dreieinigkeit. Teil 2

07 Mai 2026

Das Buch von Johannes von Damaskus

Es lehrt also die heilige, katholische und apostolische Kirche, daß zu gleicher Zeit mit dem Vater sein eingeborener Sohn ist, der zeitlos, ohne Fluß, leidenschaftslos und auf eine [uns] unbegreifliche, nur dem Gott aller Dinge bekannte Weise gezeugt ist, geradeso wie das Feuer und das Licht, das von ihm ausgeht, gleichzeitig sind, und nicht zuerst das Feuer und dann das Licht ist, sondern beide zu gleicher Zeit sind. Wie sodann das Licht, das ständig aus dem Feuer erzeugt wird, immer in ihm ist und sich nie von ihm trennt, so wird auch der Sohn aus dem Vater gezeugt und trennt sich durchaus nicht von ihm, sondern ist immer in ihm. Allein das Licht, das ohne Trennung aus dem Feuer erzeugt wird und ständig in ihm bleibt, hat keine eigene Subsistenz neben dem Feuer, denn es ist eine natürliche Beschaffenheit des Feuers. Der eingeborene Sohn Gottes aber, der ohne Trennung und Scheidung aus dem Vater gezeugt ist und immerdar in ihm bleibt, besitzt eigene Subsistenz neben der des Vaters.

Er heißt Wort und „Abglanz“, weil er ohne Paarung, leidenschaftslos und zeitlos, ohne Fluß und ohne Trennung aus dem Vater gezeugt ist. Sohn aber und „Abdruck des väterlichen Wesens “, weil er vollkommen ist, eigene Subsistenz besitzt und in allem dem Vater gleich ist, ausgenommen die Ungezeugtheit. Eingeborener aber, weil er einzig aus dem einzigen Vater auf einzige Weise gezeugt ist. Denn keine andere Zeugung läßt sich mit der Zeugung des Sohnes Gottes vergleichen. Es gibt ja auch keinen anderen Sohn Gottes. Wohl geht auch der Hl. Geist vom Vater aus, aber nicht durch Zeugung, sondern durch Ausgehen. Das ist eine andere Existenzweise, unbegreifbar und unerkennbar, wie auch die Zeugung des Sohnes. Darum ist auch alles, was der Vater hat, sein, ausgenommen die Ungezeugtheit. Diese bezeichnet jedoch keinen Unterschied im Wesen noch eine Würde , sondern eine Existenzweise. Ein Beispiel: Adam ist ungezeugt, denn er ist ein Gebilde Gottes. Seth ist gezeugt, denn er ist ein Sohn Adams. Eva ist aus einer Rippe Adams hervorgegangen, also ist diese nicht gezeugt. Sie unterscheiden sich nicht durch die Natur voneinander — sie sind ja Menschen —, sondern durch die Existenzweise.

Man muß nämlich wissen, dass ἀγένητον [agenēton] das Ungeschaffene oder Nicht-Gewordene bezeichnet, ἀγέννητον [agennēton] aber das Nicht-Gezeugte bedeutet. Nach der ersten Bezeichnung nun unterscheidet sich Wesenheit von Wesenheit, denn eine ist die ungeschaffene und ungewordene und eine andere die gewordene oder geschaffene. Nach der zweiten Bezeichnung aber unterscheidet sich nicht Wesen vom Wesen. Denn in jeder Art (Spezies) lebender Wesen ist die erste Hypostase ungezeugt, aber nicht ungeworden. Sie wurden ja vom Schöpfer gebildet und durch sein Wort ins Dasein gesetzt. Aber gezeugt wurden sie wahrlich nicht, da ein anderes von gleicher Art, woraus sie erzeugt wären, vorher nicht existierte.

Nach der ersten Bezeichnung also entsprechen sich die drei Personen der heiligen Gottheit, denn sie sind wesensgleich und ungeschaffen. Nach der zweiten Bezeichnung aber durchaus nicht. Denn nur der Vater ist ungezeugt, er hat das Sein von keiner anderen Person. Nur der Sohn ist gezeugt, denn er ist anfangslos und zeitlos aus dem Wesen des Vaters gezeugt. Nur der Hl. Geist geht vom Wesen des Vaters aus, denn er wird nicht gezeugt, sondern geht aus. So lehrt es die Hl. Schrift. Freilich die Art der Zeugung und des Ausgehens ist unbegreifbar.

Aber auch das muß man wissen, dass nicht von uns der Name der Vaterschaft, der Sohnschaft und des Ausgehens auf die selige Gottheit übertragen, sondern umgekehrt von dorther uns mitgeteilt worden ist, wie der göttliche Apostel sagt: „Darum beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jegliche Vaterschaft im Himmel und auf Erden ist “.

Wenn wir aber sagen, der Vater sei Prinzip des Sohnes und größer, so meinen wir nicht, er habe bezüglich der Zeit oder der Natur dem Sohn gegenüber einen Vorrang, „er hat ja durch ihn die Zeiten geschaffen“; nein, das gilt einzig und allein hinsichtlich der Ursache (des Prinzips), insofern der Sohn aus dem Vater gezeugt ist, und nicht der Vater aus dem Sohn, und der Vater das natürliche Prinzip des Sohnes ist. Wir sagen ja auch nicht, aus dem Lichte geht das Feuer hervor, sondern umgekehrt, das Licht geht aus dem Feuer hervor. Wenn wir also hören, der Vater sei Prinzip des Sohnes und größer, so wollen wir dies in Rücksicht auf die Ursache (das Prinzip) verstehen. Und wie wir nicht sagen, eine andere Wesenheit hat das Feuer, und eine andere das Licht, so kann man nicht sagen, eine Wesenheit hat der Vater und eine andere der Sohn. Sie haben vielmehr ein und dieselbe. Ferner sagen wir, das Feuer leuchtet durch das Licht, das von ihm ausgeht; wir behaupten nicht, ein dienendes Werkzeug des Feuers ist das Licht, das ihm entspringt, sondern behaupten vielmehr, es ist eine natürliche Kraft. Ebenso sagen wir, der Vater tut alles, was er tut, durch seinen eingeborenen Sohn; nicht wie durch ein dienendes Werkzeug , sondern durch natürliche und subsistierende Kraft. Und wie wir sagen, das Feuer leuchtet, und wiederum sagen, das Licht des Feuers leuchtet, so „tut alles, was der Vater tut, in gleicher Weise auch der Sohn “. Allein das Licht besitzt keine eigene Subsistenz neben dem Feuer. Der Sohn aber ist eine vollkommene Hypostase, nicht getrennt von der väterlichen Hypostase, wie wir weiter oben dargestellt haben. In der Schöpfung läßt sich eben unmöglich ein Bild finden, das völlig adäquat in sich die Art und Weise der heiligen Dreieinigkeit darstellen würde. Denn wie könnte das, was geschaffen, zusammengesetzt, fließend, wandelbar und begrenzt ist, Gestalt hat und vergänglich ist, die von all dem freie, überwesentliche, göttliche Natur klar und deutlich machen? Alle Geschöpfe aber tragen offenbar die meisten dieser Merkmale an sich, und ein jedes verfällt gemäß seiner eigenen Natur dem Untergang.

Ikone des Erlosers nicht von Menschenhand geschaffen

Gleicherweise glauben wir auch „an den einen Hl. Geist, der Herr ist und lebendig macht, der vom Vater ausgeht und im Sohne ruht, „der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht wird“, als wesensgleich und gleich ewig; an den Geist aus Gott, „den rechten, den vorzüglichen“, den Quell der Weisheit, des Lebens und der Heiligung. Er ist und heißt Gott wie der Vater und der Sohn, ungeschaffen, vollkommen, Schöpfer, allherrschend, allwirkend, allmächtig, unendlich gewaltig; er herrscht über jedes Geschöpf, wird aber nicht beherrscht, er vergöttlicht, wird aber nicht vergöttlicht, er erfüllt, wird aber nicht erfüllt, er läßt teilnehmen, hat aber nicht teil, er heiligt, wird aber nicht geheiligt, er ist Anwalt, denn er nimmt aller Bitten entgegen. In allem ist er dem Vater und dem Sohne gleich. Er geht vom Vater aus, wird durch den Sohn mitgeteilt und von jeglichem Geschöpf empfangen. Er schafft durch sich selbst, macht alles zu Wesen, heiligt und hält zusammen. Er subsistiert in eigener Hypostase, ohne sich jedoch vom Vater und Sohne zu trennen und zu entfernen. Er besitzt alles, was der Vater und der Sohn hat, ausgenommen die Ungezeugtheit und das Gezeugtsein. Denn der Vater ist ohne Prinzip und ungezeugt, er ist aus keinem, er hat das Sein aus sich, und von allem, was er besitzt, hat er nichts von einem andern. Er ist vielmehr selbst für alles natürliches Prinzip und Ursache des Wieseins. Der Sohn aber ist aus dem Vater nach Art der Zeugung. Aber auch der Hl. Geist selbst ist aus dem Vater, jedoch nicht zeugungsweise, sondern ausgangsweise. Daß ein Unterschied zwischen Zeugung und Ausgang besteht, wissen wir. Welcher Art aber der Unterschied ist, [wissen] wir durchaus nicht. Die Zeugung des Sohnes aus dem Vater und der Ausgang des Hl. Geistes sind jedoch zugleich.

Alles also, was der Sohn besitzt, hat auch der Geist vom Vater, ja selbst das Sein. Wenn der Vater nicht ist, dann ist auch nicht der Sohn und nicht der Geist. Und wenn der Vater etwas nicht hat, dann hat es auch der Sohn und der Geist nicht. Wegen des Vaters, d. h. weil der Vater ist, ist der Sohn und der Geist. Und wegen des Vaters hat der Sohn und der Geist alles, was er hat, d. h. weil der Vater es hat, ausgenommen das Ungezeugtsein, das Gezeugtsein und Ausgehen. Denn nur in diesen persönlichen Eigentümlichkeiten unterscheiden sich die heiligen drei Personen voneinander. Nicht durch die Wesenheit, sondern durch das Merkmal der eigenen Hypostase sind sie ohne Trennung unterschieden.

Wir sagen, jeder von den dreien hat eine vollkommene Hypostase, damit wir nicht eine aus drei unvollkommenen [Hypostasen] zusammengesetzte vollkommene Natur annehmen, sondern eine in drei vollkommenen Hypostasen bestehende einzige, einfache, übervollkommene, übervollendete Wesenheit. Denn alles, was aus Unvollkommenem besteht, ist sicherlich zusammengesetzt. Eine Zusammensetzung aus vollkommenen Hypostasen aber ist ausgeschlossen. Darum sagen wir auch nicht, das Wesen bestehe aus Hypostasen, sondern in Hypostasen. Wir sprachen von Unvollkommenem, das das Wesen der Sache, die man aus ihm macht, nicht behält. Stein, Holz, Eisen: ein jedes ist für sich in seiner eigenen Natur vollkommen. In Rücksicht auf das Haus aber, das man aus ihnen hergestellt, ist ein jedes unvollkommen. Denn keines von ihnen ist für sich ein Haus.

Vollkommen also nennen wir die Hypostasen, um nicht an eine Zusammensetzung bei der göttlichen Natur zu denken. Denn Zusammensetzung ist der Grund der Trennung. Ferner sagen wir, die drei Hypostasen sind ineinander, um nicht eine Menge und Schar von Göttern einzuführen. Die drei Hypostasen schließen für unser Erkennen eine Zusammensetzung und Vermischung aus, die Wesensgleichheit aber und das Ineinandersein der Hypostasen und die Identität des Willens, der Wirksamkeit, der Kraft, der Macht und der Tätigkeit lassen uns sozusagen die Untrennbarkeit und Einheit Gottes erkennen. Denn nur einer ist in Wahrheit Gott, der Gott und das Wort und sein Geist.

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